Classé — Der Stand der Kunst

Der Stand der Kunst

Test: Vor- und End­ver­stärker Classé Delta

Classé lan­ciert die neue Delta-Serie. Die Vor­stufe Delta Pre stellt den Stand des tech­nisch Mach­baren dar, ebenso die Stereo-Endstufe. Für sehr viel Geld bekommt man eine klang­liche Trans­pa­renz geboten, die ihres­glei­chen sucht.

Die kana­di­sche Edel­schmiede Classé hat bewegte Zeiten hinter sich. Nach einem sehr erfolg­rei­chen Abste­cher in die Class-D-Technologie besinnt man sich nun wieder auf ein anderes bewährtes Ver­stär­ker­prinzip: Der neue Stereo-Endverstärker der Delta-Serie arbeitet bis zu einer Leis­tung von 2 x 12,5 Watt im Class-A-Betrieb. Etwas näher an seinem Vor­gänger CP-800 scheint auf den ersten Blick der Delta Pre. Aber auch der neue Vor­ver­stärker über­trifft den alten tech­nisch in jeder Hinsicht.

Seit der Erst­prä­sen­ta­tion der neuen Delta-Serie auf der letzt­jäh­rigen High End in Mün­chen ist doch einige Zeit ver­gangen. Nun kommt die exklu­sive Delta-Serie end­lich auf den Markt. Mit ein Grund: Sie ver­eint einen so hohen Stand der Technik, wie man ihn nur selten antrifft. Nicht nur das Fein­tu­ning im Classé-Headquarter in Mont­real hat wohl viel Zeit bean­sprucht. Auch die adäquate Fer­ti­gung auf diesem Qua­li­täts­ni­veau ist nicht ohne: Sie erfolgt bei den renom­mierten Shira­kawa Audio Works in Nord­japan, wo bei­spiels­weise auch die High-End-Gerätschaften von Marantz vom Band laufen.

Äus­ser­lich kommt der neue Delta Pre im bekannten Classé-Design. Innen wurde grund­le­gend alles neu entwickelt.

Vor­ver­stärker mit allen Schikanen

Wo andere exklu­sive Her­steller wie etwa Accu­p­hase bei ihren Ver­stär­kern und Vor­ver­stär­kern inte­grierte DA-Wandler oder Phono-Stufen nur als (teure) Extras anbieten, hat der Delta-Pre die kom­plette Signal­ver­ar­bei­tung auf höchst­mög­li­chem Niveau sowohl für digi­tale wie für ana­loge Quellen im Gerät bereits fest ein­ge­baut. Dies mit dem berech­tigten Argu­ment, dass nur so ein durch­gän­giges Schal­tungs­kon­zept mit mög­lichst kurzen Signal­wegen und mög­lichst hoher Rausch­frei­heit zu rea­li­sieren sei. Dazu gehört, dass das Layout durch­gängig sym­me­trisch rea­li­siert ist: Sogar Plat­ten­spieler können sym­me­trisch über XLR ange­schlossen werden.

Aber nicht nur des­halb werden Besitzer teurer Ton­zellen (mit sym­me­tri­schem Phono-Kabel) auf­merken. Der Delta-Pre offe­riert zudem die äus­serst bequeme Kon­fi­gu­ra­tion des Phono-Eingangs über das Touch-Display: Die Ein­gangs­im­pe­danz lässt sich bei Phono MC in acht Schritten zwi­schen 7,5 Ω und 1 kΩ frei wählen. Die Abschluss­ka­pa­zität bei Phono MM sogar in neun Schritten. Der Clou: De facto hat man zwei völlig unab­hängig kon­fi­gu­rier­bare Phono-Eingänge (1 x Cinch, 1 x XLR) zur Ver­fü­gung. Ledig­lich der Ver­stär­kungs­faktor beträgt bei Phono MC fixe 60 dB, bei Phono MM/MC High-Output 41,5 dB. Nomi­nelle 93 dB Geräusch­span­nungs­ab­stand (bezogen auf 5 mV Ein­gangs­span­nung) lassen auf­hor­chen bzw. ver­geb­lich hin­hor­chen: Stör­ge­räu­sche wäh­rend des Phono-Betriebs sind beim Delta-Pre ein Fremd­wort. Wobei die sym­me­tri­sche Anschluss­va­ri­ante eines Moving-Coil-Tonabnehmers den Vor­teil hat, etwaige Brumm­ein­streu­ungen prin­zip­be­dingt zu eliminieren.

Die Anschluss­pe­ri­pherie des Delta Pre zeigt, dass er für sämt­liche ana­logen und digi­talen Quellen bes­tens gerüstet ist.

Auch die Hochpegel-Abteilung des Delta-Pre wurde auf Höchst­leis­tung getrimmt: Der lineare Fre­quenz­um­fang reicht (im Bypass-Modus) bis zu sagen­haften 2 MHz. Rau­schen liegt 130 dB unter dem Nutz­si­gnal. Mög­lich wurde dies durch die Rea­li­sie­rung von extrem kurzen Signal­wegen und die aus­ge­klü­gelte Machart der Haupt­pla­tine, die in sechs Lagen auf­ge­baut ist. Die oberste und unterste Schicht beher­bergen je die Signal­spur, Schicht zwei und fünf die benach­barte Mas­se­füh­rung, und die inneren beiden Lagen die Strom­ver­sor­gung. Ein neu ent­wi­ckeltes, mehr­fach sta­bi­li­siertes Linear­netz­teil ver­sorgt die ana­logen Schalt­kreise – völlig unab­hängig von der Digitalsektion.

Die sechs­la­gige Haupt­pla­tine bildet das Herz­stück des Delta Pre. Darauf sind auch DAC und Phono-Schaltkreise untergebracht.

Grosses Augen­merk legten die Ent­wickler sowohl beim Vor- wie beim End­ver­stärker auf die Ver­rin­ge­rung von Inter­mo­du­la­ti­ons­ver­zer­rungen sowie auf die Redu­zie­rung har­mo­ni­scher Ver­zer­rungen höherer Ord­nung. Dies wirkt sich ins­be­son­dere im Bypass-Modus aus: Ana­loge Ein­gangs­si­gnale werden hier ohne jeg­li­ches Pro­ces­sing mög­lichst rein ver­stärkt. Die Ver­zer­rungen liegen im gesamten Über­tra­gungs­be­reich deut­lich unter 0.0003 Pro­zent, einem beein­dru­ckenden Wert.

Frei­lich bietet Classé wie gewohnt auch Klang­regler, para­me­tri­sche Equa­lizer und Subwoofer-Bassmanagement an, die jedoch auf der digi­talen Ebene ein­setzen. Ana­loge Signale müssen dazu erst AD-gewandelt werden. Auch dieses Pro­ces­sing soll beim Delta Pre gegen­über dem Vor­gänger ver­bes­sert worden sein, so dass man bei­spiels­weise die Tilt-Funktion (tonale Klang­ba­lance) bei Bedarf guten Gewis­sens auch bei ana­logen Quellen ein­setzen kann. Bei digi­talen Quellen geschieht diese Ein­stel­lung ver­lust­frei. Aus­ser­ge­wöhn­lich auf­wändig ist die Laut­stär­ke­re­ge­lung aus­ge­legt. Sie lässt sich hoch­prä­zise in 0,25-dB-Schritten aus­führen und ist tech­nisch so aus­ge­legt, dass die Fein­dy­namik auch bei sehr geringer Laut­stärke gewahrt bleibt. Die gewünschte Laut­stärke lässt sich via App sehr schnell und gezielt ein­stellen – ein wich­tiges Fea­ture im Musikalltag.

Die Classé-App für Android oder iOS erlaubt die schnelle und den­noch fein­füh­lige Lautstärke-Einstellung. Auch Ein­gangs­wahl, Klang­regler und Balance (sowie vieles mehr) werden angeboten.

High-End-DAC mit an Bord

Die Digi­tal­sek­tion ver­fügt mit zwei DAC-Chips des Typs AKM 4497 über genü­gend Rechen­leis­tung, um alle Digi­tal­quellen bis und mit DSD 256 (über PC-USB) prä­zise auf die ana­loge Ebene zurück­zu­wan­deln. Hierbei hilft ein auf­wän­diges Reclo­cking – der Takt der ein­ge­henden Digi­tal­si­gnale wird eigens neu gene­riert. Davon pro­fi­tieren ins­be­son­dere auch opti­sche und koaxiale Digi­tal­si­gnale (wie sie etwa von Strea­mern ange­lie­fert werden). Hier konnte Classé den anfal­lenden Jitter (Takt­schwan­kungen) auf sagen­hafte 40 Pico­se­kunden redu­zieren. Optional ist für den Delta Pre sogar ein HDMI-Modul erhält­lich, wor­über man bei­spiels­weise Fern­sehton oder auch Blu-ray-Tonsignale (PCM) ver­lust­frei wie­der­geben kann.

Das Touch-Display auf der Front des Delta Pre zeigt nicht nur alle wich­tigen Infor­ma­tionen, son­dern erlaubt auch die detail­lierte Kon­fi­gu­ra­tion des Gerätes.

Die Anschluss­buchsen des Delta Pre sind stan­des­ge­mäss in edlem Rho­dium ausgeführt.

 

 

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Test: Vor- und End­ver­stärker Classé Delta

Leis­tungs­träger

Der End­ver­stärker Delta Stereo hat den gleich Grund­riss wie der Delta Pre, baut aber deut­lich höher. Ein fast schon nost­al­gisch anmu­tendes Ele­ment ist das klas­si­sche VU-Meter rechts auf der Front. Auch bei diesem Gerät gilt, dass die Wohn­raum­ak­zep­tanz durch die seit­li­chen Run­dungen gestei­gert wird. Wer möchte, kann Vor- und End­ver­stärker ohne Bedenken auf­ein­an­der­stellen, denn der Delta Stereo ver­fügt über die von Classé ent­wi­ckelte, bes­tens bewährte Wär­me­ab­fuhr über eine Heat­pipe nach hinten, mit langsam und geräuschlos lau­fendem Ventilator.

Cha­rak­te­ris­tisch an der Front des Delta-Stereo-Endverstärkers zeigt sich das klas­si­sche VU-Meter sowie die Schlitze für die Luft­zu­fuhr des geräusch­losen Kühlsystems.

Luft wird über Schlitze in der Front ein­ge­sogen und durch­strömt die End­stu­fen­sek­tion mit den MOSFET-Leistungstransistoren, die bis zu 2 x 12,5 Watt in reinem Class-A-Betrieb arbeiten. Diese Betriebs­weise eli­mi­niert prin­zip­be­dingt Über­nah­me­ver­zer­rungen und redu­ziert beim Delta Stereo ins­be­son­dere auch den Klirr im Hoch­ton­be­reich signi­fi­kant. Classé rekla­miert für die ver­wen­deten MOSFET- gegen­über Bipolar-Transistoren sta­bi­lere Eigen­schaften beim Betrieb mit kon­stant hohem Ruhe­strom. Die bewährte Heatpipe-Konstruktion garan­tiert kon­stante Arbeits­be­din­gungen in jedem Leis­tungs­be­reich. Der Dämp­fungs­faktor der End­stufe ist mit einem Wert von 850 (bez. auf 8 Ohm) sehr hoch und lässt im Hoch­ton­be­reich kaum nach. Wie der Vor­ver­stärker ist auch der Delta-Endverstärker auf hohe Band­breite (1 Hz – 650 kHz) hin aus­ge­legt. In Class AB leistet der Delta Stereo bis zu 2 x 500 Watt (an 4 Ohm). Ein 2,7‑kW-Ringkerntrafo lässt zusammen mit einer Sieb­ka­pa­zität von 222’000 μF keine Strom­eng­pässe befürchten. Pas­send dazu lie­fert Classé die neuen Delta mit beson­ders hoch­wer­tigen Netz­ka­beln aus. Inter­es­sant ist das klas­si­sche VU-Meter auf der Front: Glaubt man dieser Anzeige, so arbeitet der Delta Stereo im Musik­alltag fast durch­gängig in Class A: Die Zeiger schnellten wäh­rend des Hör­tests eigent­lich kaum je über den mittig ange­ord­neten 3‑Watt-Wert hinaus. Mit gut 44 cm Gehäu­se­breite wirkt der End­ver­stärker gar nicht so wuchtig, wie man es  ange­sichts von gut 44 kg Lebend­ge­wicht zunächst ver­muten würde. Spe­zi­elle Iso­la­ti­ons­füsse sollen Mikro­fo­nie­ef­fekte zusätz­lich unterdrücken.

Hinten am End­ver­stärker sieht man den Luft­aus­lass für das Kühl­system. Der langsam lau­fende Ven­ti­lator ist im Alltag unhörbar.

 

 

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Test: Vor- und End­ver­stärker Classé Delta

Ver­blüf­fende Klangtransparenz

Natür­lich waren wir gespannt, ob und wie sich der hohe tech­ni­sche Auf­wand bei den teuren Edel-Verstärkern klang­lich aus­zahlen würde. Dazu hörten wir uns die (über Nacht warm­ge­lau­fene) Classé-Delta-Kombi wäh­rend ein paar Stunden im Zusam­men­spiel mit einem Paar Bowers & Wil­kins 802 D3 intensiv an. Und waren schon bei den ersten Takten der Musik absolut beein­druckt ob einer exor­bi­tanten Klang­trans­pa­renz, welche man so nicht alle Tage geboten bekommt. Die räum­liche Durch­hör­bar­keit einer guten Auf­nahme wie etwa Beet­ho­vens Kla­vier­kon­zert Nr. 4 mit Yev­geny Sudbin (down­loadbar hier) verblüfft.

Die Auf­nahme von Beet­ho­vens Kla­vier­kon­zert Nr. 4 mit Yev­geny Sudbin ent­faltet eine ver­blüf­fende Abbildungstreue.

Natür­lich sind die B&W 802 D3 bekann­ter­massen Aus­nah­me­ta­lente, was die Fähig­keit einer prä­zisen Abbil­dung des musi­ka­li­schen Gesche­hens betrifft. Das haben wir auch kürz­lich schon beim Test der neuen Michi-Verstärker von Rotel (nach­zu­lesen hier) fest­stellen dürfen. Was diese Laut­spre­cher in Kom­bi­na­tion mit den Classé Delta in den Hör­raum zau­bern, ist jedoch nochmal ein ganz anderes Kaliber. Bei den Michi hatten wir zufrieden kon­sta­tiert: «Die Durch­hör­bar­keit der Musik ist exzel­lent, Ein­zel­in­stru­mente erscheinen klar umrissen und mühelos ortbar, den­noch per­fekt in die Gesamtdar­bie­tung ein­ge­bettet.» Die gleiche Aus­sage gilt auch für die Classé Delta – aller­dings poten­ziert, sozu­sagen hoch zwei.

Ins­be­son­dere punkto Fein­zeich­nung und Detail­auf­lö­sung setzen die Kana­dier noch­mals einen ganz eigenen Mass­stab, der nur schwer zu toppen sein dürfte.        Bei aller (anfäng­lich fast erschre­ckenden) Trans­pa­renz geht der Wohl­klang den­noch nicht ver­loren. Die musi­ka­li­sche Ansprache erfolgt näm­lich völlig mühelos, ohne jeg­liche Anstren­gung. Musi­ka­li­sche Details werden nicht auf dem Sil­ber­ta­blett arti­fi­ziell her­vor­ge­hoben, son­dern ent­falten sich äthe­risch leicht. Das ist ganz grosse Kunst und bestä­tigt glei­cher­massen die prin­zi­pi­elle Über­le­gen­heit der Class-A-Arbeitsweise des End­ver­stär­kers wie auch den hohen schal­tungs­tech­ni­schen Auf­wand beim Vorverstärker.

Weltklasse-Inszenierung mit dem Schweizer Klaviertrio.

Eini­ger­massen erstaun­lich ist das auch das Gefühl für die rich­tige Laut­stärke, wel­ches sich beim Abhören über die Classé-Kombi ein­stellt. So etwa bei anspruchs­voller Kam­mer­musik wie Beet­ho­vens Kla­vier­trio Nr. 4 (sehr emp­feh­lens­werte Auf­nahme mit dem Schweizer Kla­vier­trio, down­loadbar hier).

Die Classé-/B&W‑Kombi setzt diese «Gas­sen­hauer» mit atem­be­rau­bender Spiel­freude und span­nender Dra­matik in Szene und wahrt dabei doch den intimen kam­mer­mu­si­ka­li­schen Rahmen. Die Abbil­dung der Musiker im Hör­raum ist ver­blüf­fend echt. Und erstaun­li­cher­weise weiss man dabei ganz genau, welche Abhör­laut­stärke exakt die rich­tige ist. Die mehr als dB-genaue (mühelos via App vor­zu­neh­mende) Fein­jus­tie­rung leistet dabei her­vor­ra­gende Dienste. Dies zeigt einmal mehr: Es geht bei der High-End-Musikwiedergabe nichts über eine aus­ge­feilte, pra­xis­taug­liche Lautstärkeregelung.

Die Classé Delta beherr­schen im Übrigen auch «Schön­klang» und för­dern den begehrten Genuss­faktor beim Anhören guter Auf­nahmen wie etwa Hän­dels «Tra le Fiamme» (down­loadbar hier) mit Hille Perl an der Viola da Gamba und Doro­thee Mields (Sopran). Die Arti­ku­la­tion der Stimme kommt mit wun­der­barem Timbre, ebenso authen­tisch wie der Klang dieses his­to­ri­schen Streichinstruments.

Diese Neu­auf­nahme von Vio­lin­kon­zerten Vivaldis ist zwar sehr vital, aber auch etwas vor­der­gründig geraten. Mit dem Tiltregler des Delta Pre kann man die tonale Balance per­fekt ausgleichen.

Aber wie schlägt sich die Kom­bi­na­tion bei weniger gut gelun­genen Auf­nahmen? Aktu­elles Bei­spiel: Vivaldis Vio­lin­kon­zerte (Aus­gabe Nr. VIII) beim Label Naïve mit Julien Chauvin und Le Con­cert de la Loge (down­loadbar hier): Die Strei­cher sind hier ins­ge­samt zu prä­sent, zu vor­der­gründig auf­ge­nommen, wor­über selbst die äus­serst feine Defi­niton und das schöne Timbre nicht hinweg täu­schen können. Auch solche Auf­nahmen kann man mit dem Classé Pre pro­blemlos „retten“, indem man über den „Tilt“-Klangregler die tonale Balance sehr fein­fühlig zugunsten eines vol­leren und weniger auf­dring­li­chen Klangs ver­schieben kann. Ein pro­bates Mittel zm klang­li­chen Fein­tu­ning, wel­ches man gerne und – zumal auf der digi­talen Ebene – ver­lust­frei einsetzt.

Gen­re­wechsel zu akus­ti­schem Jazz: Auch beim Hör­test­klas­siker «Can­ción Contra La Inde­cisión» (down­loadbar: hier) fällt wie­derum die plastisch-dreidimensionale Abbil­dung auf, welche dieser Studio-Aufnahme fast schon einen Live-Charakter ver­leiht. Der Kon­tra­bass kommt staub­tro­cken und unglaub­lich defi­niert. Man kann die cha­rak­te­ris­ti­schen Bass­läufe per­fekt nach­ver­folgen. Die extrem kon­tu­rierte Gangart im Tief­ton­be­reich, zu der die Classé-Verstärker die 802 D3 antreiben, ist aus­ser­ge­wöhn­lich. Hier macht sich der hohe Dämp­fungs­faktor positiv bemerkbar. Aber auch das Pia­no­spiel von Bo Stenson zeigt über­ra­gende Spiel­freude sowie aus­ge­spro­chen rhyth­mi­sches Timing. Dieses Jazz-Juwel wird von der Classé‑B&W‑Kombi äus­serst vital und plas­tisch in den Hör­raum gezaubert.

Sowohl analog auf Vinyl wie remas­tered in HiRes ein ein­zig­ar­tiges Erlebnis: Die legen­däre Live-Aufnahme «Mon­treux Alexander».

Zu guter Letzt durfte noch der Phono-Eingang zeigen, was er drauf hat. Ange­schlossen wurde ein Benz Ruby 2 – ein Ton­ab­nehmer, der punkto Auf­lö­sung und Dynamik extrem punkten, bei unpas­sender Ein­gangs­im­pe­danz aber über­trieben prä­sent agieren kann. Der opti­male Wert war am Delta Pre im Hand­um­drehen gefunden. Bei1 kOhm Abschluss­wi­der­stand zeigte eine legen­däre Vinyl­scheibe wie «Mon­treux Alex­ander» eine wun­derbar live­haf­tige Dar­bie­tung, die punkto expres­siver Spiel­freude und Swing sogar die digital gestreamte Ver­sion (down­loadbar hier) in den Schatten stellte.

Letz­tere punk­tete dafür mit einer noch aus­ge­präg­teren Stereo-Perspektive. Vinyl zoomte sozu­sagen an die Musiker heran, was aber bei dieser Musikart sehr gou­tiert wurde. Das Benz Ruby zeigte sich am Delta Pre von seiner besten Seite und bewies einmal mehr, dass Vinyl gerade für anspruchs­volle Musik­lieb­haber nach wie vor ein Thema ist. Stör­ge­räu­sche bei Phono sind für den Classé Delta Pre im Übrigen ein Fremd­wort, obwohl in diesem Fall asym­me­trisch ange­schlossen wurde. Man muss den Pre schon sehr weit auf­drehen und ganz nahe an die Laut­spre­cher her­an­gehen, um ein mini­males Hin­ter­grund­rau­schen zu vernehmen.

 

 

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Test: Vor- und End­ver­stärker Classé Delta

Fazit

Von A bis Z eine erst­klas­sige Vor­füh­rung: Besser kann man die Vor­stel­lung der neuen Classé Delta-Vor- und ‑End­ver­stärker kaum zusam­men­fassen. Inter­es­sant ist der Ver­gleich mit den nur halb so teuren Michi-Komponenten von Rotel. Dort lau­tete das Fazit: «Wel­chen Anteil die Michi-Verstärker an der gran­diosen Dar­bie­tung (der B&W 802 D3) haben, ist natür­lich nur schwer abzu­schätzen.» Bei den neuen Classé Delta kommt man im Gegen­teil zum Schluss: Das deut­liche Mehr an klang­li­cher Trans­pa­renz und räum­li­cher Abbil­dungs­treue haben diese Aus­nah­melaut­spre­cher ein­deutig der superben Elek­tronik zu ver­danken. Der tech­ni­sche Auf­wand, dieses Wie­der­ga­be­ni­veau zu rea­li­sieren, ist aus­ser­ge­wöhn­lich hoch, macht sich aber letzt­lich bezahlt. Von daher ist auch der exklu­sive Preis gerecht­fer­tigt, selbst wenn der poten­zi­elle Käu­fer­kreis damit sehr ein­ge­schränkt wird. Aber das gilt ja für andere High-End-Trouvaillen leider ebenso.

Wer noch mehr Leis­tung benö­tigt, kann anstelle des Delta Stereo-Endverstärkers (CHF 14’900) auf die Delta-Mono setzen. Diese arbeiten bis zu 35 Watt in Class-A-Betrieb und kosten CHF 12’900 pro Stück. Der Delta Pre schlägt mit CHF 11’500 zu Buche.

 

 

STECK­BRIEF

Modell:

Delta Pre

Profil:

Äus­serst kom­plett aus­ge­stat­teter Vor­ver­stärker mit her­vor­ra­gendem DAC und ebenso aus­ge­zeich­neter Phono-Sektion, geeignet für alle mög­li­chen Ton­ab­nehmer. Der Delta Pre von Classé ver­eint den Stand des tech­nisch Mach­baren und ist auf best­mög­liche Klang­de­fi­ni­tion und räum­liche Trans­pa­renz der Musik­wie­der­gabe hin aus­ge­legt. Das Gerät lässt sich per­fekt für die eigenen Bedürf­nisse indi­vi­duell konfigurieren.

Pro:

- reprä­sen­tiert den Stand der Technik
— her­vor­ra­gender DAC eingebaut
— viel­sei­tige, extrem rausch­arme Phono-Sektion für alle mög­li­chen MM- und MC-Tonzellen
— Bypass-Modus für ana­loge Tonquellen
— aus­ge­feilte Klang­re­ge­lung mit para­me­tri­schen Equa­li­zern und Tiltregler
— erfreu­lich ein­fach Steue­rung per App
— enorme Klang­trans­pa­renz und Feinzeichnung

Contra:

- hoher Preis

Preis:

11,500.00 CHF

Her­steller:

Classé Audio

Jahr­gang:

2020

Ver­trieb:

B&W Group (Schweiz) GmbH

Masse:

444 x 449 x 121 mm

Gewicht:

13,5 kg

Farbe:

Schwarz

Air­play:

Ja

Blue­tooth:

Nein

Chrom­cast:

Nein

Netz­werk­an­schluss:

Ja

Sym­me­tri­scher Ausgang:

Ja

Sym­me­tri­scher Eingang:

Ja

Analog Input:

2 x Cinch, 2x XLR, 2x Phono

Analog Output:

2 x Cinch, 2x XLR, Sub­woofer (XLR, Cinch)

Digital Input:

3 x koaxial, 3x optisch, AES/EBU, 2x USB

Modell:

Delta Stereo

Profil:

Leis­tungs­starker Stereo-Endverstärker, der bis zu 2 x 12,5 Watt in reinem Class-A-Betrieb arbeitet. Enorme Fein­zeich­nung und räum­liche Trans­pa­renz. Per­fekt kon­tu­rierte Basswiedergabe.

Pro:

- extrem hohe Wiedergabequalität
— Kon­trol­liert jeden Laut­spre­cher dank sehr hohem Dämpfungsfaktor
— arbeitet meis­tens in wohl­klin­gendem Class-A-Betrieb und gibt doch nur akzep­table Wärme ab.
— kom­pro­misslos verarbeitet
— mas­sive Rhodium-Lautsprecheranschlüsse

Contra:

- hoher Preis

Preis:

14,900.00 CHF

Her­steller:

Classé Audio

Jahr­gang:

2020

Ver­trieb:

B&W Group (Schweiz) GmbH

Masse:

444 x 392 x 222 mm

Gewicht:

46,4 kg

Farbe:

Schwarz

Analog Input:

Cinch, XLR

Fre­quenz­gang:

1 Hz – 650 kHz ± 3dB

Maxi­male Leistung:

1000 Watt

Ver­stär­kerleis­tung 4 Ohm:

2 x 500 Watt

Ver­stär­kerleis­tung 8 Ohm:

2 x 250 Watt