HD Musik

HD, 2xHD und trotzdem kein HD. High Res Audio: Dich­tung und Wahr­heit (Teil 1)

High-Res-Audio oder High-Definition-Audio wäre eigent­lich eine klare, unmiss­ver­ständ­liche Sache. Ein Ensemble oder Band spielt im Auf­nah­me­raum. Das Klang­e­schehen wird von den Mikro­fonen erfasst und in einem HD-Format mit 96kHz Sam­pling Fre­quenz (spei­cher­barer Fre­quenz­um­fang) und 24Bit Wort­länge (spei­cher­barer Dyna­mik­um­fang) gespei­chert. Alle im Pro­zess ein­ge­setzten Geräte und Pro­gramme erfüllen die tech­ni­schen Werte für High Res Audio. Die Nach­be­ar­bei­tung (Mas­te­ring) erfolgt eben­falls im 24/96 Format. Das End­pro­dukt wird als 96/24 HD-Download oder durch Umrech­nung ins 16Bit/44.1kHz Format als CD ange­boten. Der Down­load ist High Res Audio, die CD ist defi­ni­ti­ons­ge­mäss Stan­dard Audio. Punkt.

Doch so ein­fach, wie oben dar­ge­stellt, ist das Thema nicht. Betrachten wir die Rea­lität anhand von einigen aus­ge­suchten Alben. Die Titel eines im Online-Musikshop ange­bo­tenen Albums können in MP3 Qua­lität vor­ge­hört werden (meis­tens 256kbs oder 320kbs). Neben den Album­in­for­ma­tionen werden auch die ver­füg­baren Down­load­for­mate und Preise gelistet. Ob die Auf­nahme wirk­lich gut klingt und ob das Album HD-Audio Kri­te­rien erfüllt, hören wir frü­hes­tens bei der Wie­der­gabe über eine High-End-Anlage. Und auch dann können wir nicht sicher sein, ob die High-Res Stan­dards erfüllt sind. Das Ganze wäre weniger kri­tisch, wenn nicht für die HD-Versionen eines Albums teil­weise mar­kante Auf­preise ver­langt würden. Je höher die Sam­pli­grate desto höher der Preis. Diese Mehr­kosten sind nicht immer gerecht­fer­tigt. Mythen und Pro­dukt Lob­prei­sungen, die teil­weise aus tech­ni­scher Sicht blanker Unsinn sind, helfen auch zwei­fel­hafte Auf­nahmen zu höheren Preisen zu ver­kaufen. Dies zum Schaden wirk­li­cher High Res Auf­nahmen, denn unse­riöse Anbieter bringen die Branche in Verruf, ver­un­si­chern die Endkunden.

Wie erkennt man, ob die HD-Version den Mehr­preis wert ist?

Anhand wel­cher Kri­te­rien kann vor dem Kauf die rich­tige Aus­wahl getroffen werden? Lassen Sie mich die Fragen mit Hilfe einiger Bei­spiele beant­worten. HD-Alben lassen sich in fol­gende Kate­go­rien einteilen:

A) Echte, native HD Aufnahmen

B) HD-Minus

Sub­ka­te­go­rien:

C) HD-Transfer

D) HD-Remaster

E) HD-Bluff

Die Kate­go­rien A und D sind relativ ein­fach zu erkennen, dazu mehr im nächsten Blog. Beginnen wir mit den nicht so offen­sicht­li­chen Fällen.

Als Bei­spiel für HD-Minus nehmen wir Berloz‘ Sym­phonie fan­tas­tique des Labels 2xHD. Don­ner­wetter, da muss was dahinter sein, wenn man den Anspruch erhebt dop­pelt so gut zu sein, wie die anderen HD-Anbieter und das auch auf der Web­site pro­mi­nent für sich in Anspruch nimmt. Hier die 2xHD Werbebotschaft:

“2xHD THE MOST MUSICAL HIGH RESO­LU­TION STAN­DARD AVAIL­ABLE. This supe­rior down­load plat­form is able to deliver high reso­lu­tion music, through Cloud-based dis­tri­bu­tion. HD down­loads, using Direct Stream Digital (DSD and DSD 2) or Digital eXtreme Defi­ni­tion (DXD) deliver a total natural sound. It is the new method for sel­ling qua­lity music repro­duc­tion on-line.

With this ‘back-to-the-future’ tech­no­logy, music can now be down­loaded without using com­pres­sion. The resul­ting higher fide­lity (40% better than CD), not only retains the warmth and depth of the ori­ginal recording, it car­ries a new trans­pa­rency to the higher register so that each instru­ment can be heard with bril­liant cla­rity even at a lower lis­tening level. One can hear studio qua­lity repro­duc­tion in one’s own living room.” Quelle: http://www.2xhd.com/technology.html

Da wird eine Zurück in die Zukunft Tech­no­logie ange­priesen, welche eine um 40% bes­sere Klang­qua­lität als die CD lie­fert. Weiter wird ver­spro­chen, dass die Wärme und Tiefe, der Ori­ginal Auf­nahme erhalten bleiben, eine neue Trans­pa­renz in den oberen Regis­tern geboten werde und man die Studio Qua­lität im eigenen Wohn­zimmer hören kann. Was steckt hinter dem 2xHD Pro­zess, der am Ende nur zu HD-Minus führt? Auf der 2xHD Web­site werden die Pro­duk­ti­ons­schritte nicht im Detail erläu­tert, dafür aber im Booklet der 2xHD Alben. Das Label legt die Pro­duk­ti­ons­me­thode offen und ist auch offen­sicht­lich über­zeugt, so bes­sere Resul­tate zu erzielen = näher am Ori­gi­nal­klang zu sein.

 

Bild 1: “The pro­cess begins with a transfer to analog from the ori­ginal 24bits/96kHz, or 88.2 kHz reso­lu­tion master, using cut­ting edge D/A con­ver­ters. The analog signal is then sent through a hi-end tube pre-amplifier and (if needed) will be EQ’d before being recorded directly in DXD using the dCS905 A/D and the dCS Vivaldi Clock. All con­nec­tions used in the pro­cess are made of OCC silver cable. DSD and 192kHz/24Bit ver­sions are sepa­r­ately gene­rated, directly from the analog signal.” Quelle: Booklet 2xHD, Ber­lioz, Sym­phonie fan­tas­tique. Grösser: auf Bild klicken.

Da wird also eine digi­tale Auf­nahme in die ana­loge Domäne kon­ver­tiert, bear­beitet und wieder digi­ta­li­siert in unter­schied­lichsten HD-Formaten ange­boten. Ana­ly­sieren und ver­glei­chen wir die Ori­ginal Auf­nahme und die 2xHD Ver­sion miteinander:

 

Bild2: Fre­quenz­sek­trum der Ori­ginal Naxos 24/96 Auf­nahme. Ber­lioz: Sym­phonie fan­tas­tique, Op. 14: IV. Marche au Sup­plice: Alle­gretto non troppo. Die Ultra­schall­an­teile rei­chen bis knapp über 40kHz. Das klare Spek­trum ohne Rau­sch­an­teile ist typisch für eine 24/96 PCM Ein­spie­lung. Die hohen Ener­gie­an­teile im tief­fre­quenten Bereich sind orange und rot. Zu höheren Fre­quenzen hin nimmt die Schall­energie kon­ti­nu­ier­lich ab. Je schwä­cher die vio­letten Anteile sind, desto geringer ist die Energie. Im Ultra­schall­be­reich ober­halb von 20kHz liegt diese meist unter 1% der Energie des Grund­tones. Das Bild zeigt die spek­trale Ener­gie­ver­tei­lung des ganzen Satzes – Zeit­achse von links nach rechts. Grösser: auf Bild klicken.

 

Bild3: Das Fre­quenz­spek­trum der 2xHD Bear­bei­tung bleibt knapp unter 40kHz. Grösser: auf Bild klicken.

 

Bild 4: Fre­quenz­ana­lyse (FFT). Grün = Naxos 24/96 Ori­ginal, Rot = 2xHD Ver­sion. Die Nach­be­ar­bei­tung zeigt deut­liche Abwei­chungen zum Ori­ginal. Das Spek­trum ist im oberen Fre­quenz­be­reich um bis zu 6dB ange­hoben. Grösser: auf Bild klicken.

 

Bild 5: Hüll­kurve. Grün = Naxos 24/96 Ori­ginal, Rot = 2xHD Ver­sion. Der Signal­pegel der 2xHD Nach­be­ar­bei­tung ist 0.63 dB höher, d.h. die 2xHD Auf­nahme ist leicht lauter. Da iden­ti­sche Pegel für einen kor­rekten Ver­gleich unab­dingbar sind, wurde dieser bei der Naxos 24/96 Pegel ent­spre­chend ange­hoben. Die rote 2xHD Kurve weicht immer wieder vom Ori­ginal ab, vor allem in Bezug auf Pegel und Pha­sen­lage. Grösser: auf Bild klicken.

 

Bild 6: Pha­sen­lage – Polar­dia­gramm rechte Bild­hälfte. Weiss = Naxos 24/96 Ori­ginal, Rot = 2xHD Ver­sion. Die Pha­sen­lage der beiden linken Kanäle wurde exakt zum glei­chen Zeit­punkt gemessen (1:45:321 – siehe Hüll­kurve im linken Bild­teil, Grün = Naxos 24/96, Rot = 2xHD). Pha­sen­ver­schie­bungen sind Fehler im Zeit­be­reich. Die 2xHD hat erheb­liche Pha­sen­fehler. Grösser: auf Bild klicken.

 

 

Bilder 6 und 7: Audio­ana­lyse, 2xHD oben. Mes­sung von Pegel und Dyna­mik­be­reich. Die 2xHD Nach­be­ar­bei­tung weist einen um 0.63 DB höheren Pegel auf und einen leicht gerin­geren Dyna­mik­be­reich (DR15). Grösser: auf Bild klicken.

Die Mes­sungen zeigen deut­lich: die Nach­be­ar­bei­tung weicht sichtbar von der Ori­gi­nal­auf­nahme ab. Somit wurden dem Ori­ginal Signal­an­teile hin­zu­ge­fügt oder Signal­an­teile ent­fernt und auf der Zeit­achse treten Pha­sen­ver­schie­bungen auf. Wie macht sich das Ganze nun gehör­mässig bemerkbar?

Wie werden diese Fehler wahr­ge­nommen: der Höreindruck

Damit die Adobe Audi­tion Ana­lyse die Hör­be­ur­tei­lung nicht beein­flusst (self bia­sing), habe ich beide Ver­sionen als erstes intensiv gehört. Nur die Pegel­mes­sung (Bilder 6 und 7) wurde vorab gemacht und die Abhör­laut­stärke beim Titel­wechsel jeweils um 0.5dB am Vor­ver­stärker (CP-800) kor­ri­giert. Die 2xHD Auf­nahme hat weniger Prä­gnanz gegen­über dem 24/96 Ori­ginal. Die Blech­bläser ver­lieren spürbar an Strahl­kraft und Bril­lanz, die Fagott­stimme an Knur­rig­keit. Das Klang­bild wirkt ins­ge­samt wei­cher, die Abbil­dung der Instru­mente ist weniger prä­zise, die Posi­tio­nie­rung dif­fuser. Auch die Raum­ab­bil­dung leidet. Der Raum zwi­schen den Instru­menten wirkt redu­ziert, was als Folge der brei­teren Abbil­dung der Instru­mente ange­sehen werden kann. Das Fell der Pauke am Satz­be­ginn scheint im ersten Ein­druck schöner nach­zu­schwingen. Beim mehr­ma­ligen Ver­gleich mit dem Ori­ginal, ent­puppt sich diese Wahr­neh­mung aber eher als Schmiereffekt.

Schluss­fol­ge­rung aus Mes­sungen und Hör­ein­druck: 2xHD hält nicht was das Label anpreist. Beson­ders die Aus­sage von mehr Raum und Prä­zi­sion kann nicht bestä­tigt werden. Im Gegen­teil. Die 2xHD Ver­sion ist nicht besser, sie ist schlechter als das Ori­ginal, wenn auch minim. Daher das Ver­dikt: HD Minus. Das Resultat kann nicht wirk­lich über­ra­schen. All diese Kon­ver­tie­rungen und das Durch­schlaufen des Signals durch ana­loge, teil­weise mit Röhren bestückten Geräten kann keine Ver­bes­se­rung des Ori­gi­nals bringen. Viel­mehr werden dem Signal Ver­fär­bungen bei­gemischt. Wenn die 2xHD Macher das Resultat als besser emp­finden, dann suchen sie primär den Klang der ana­logen Wie­der­ga­be­technik und nicht den Ori­gi­nal­klang der im Auf­nah­me­raum vorherrschte.

Weniger Qua­lität zum höheren Preis

Die Preise für die ver­schie­denen HD Downloads.

Quelle Preis

Naxos Ori­ginal PrestoClassical.co.uk 12.50 CHF

Naxos Ori­ginal Classiconlinehd.com 11.99 USD

2xHD Qobuz.com 23.99 CHF

2xHD Hdtracks.de 29.00 € (384/24)

2xHD Hdtracks.de 20.00 € (192/24)

Teil­weise hap­pige Auf­preise. Und wieder finden wir in der Anprei­sung die nichts sagende Wort­hülse musi­ka­lisch, bei 2xHD sogar in der Stei­ge­rung als am „meisten musi­ka­lisch“. Unter musi­ka­lisch kann sich jeder Vor­stellen was er will, ein völlig sub­jek­tiver, unprä­ziser Begriff, mit einem für Andere nicht repro­du­zier­baren Inhalt. Ebenso das Auf­blasen der Dateien auf 192kHz und 384kHz ist mehr als frag­würdig – um es höf­lich zu for­mu­lieren. Wir haben gesehen, dass ober­halb von 40kHz keine Signal­an­teile mehr vor­handen sind. Mit 96kHz Sam­pling­fre­quenz lassen sich Fre­quenzen bis 48kHz auf­zeichnen. 192kHz und 384kHz Dateien über­tragen keine Mehr­in­for­ma­tionen, nur mehr Nullen. Wer bei 192kHz und höher das Filter Thema als Argu­ment für eine noch höhere Sam­pling­fre­quenz anbringt aber gleich­zeitig Röh­ren­technik in den Signalweg ein­bringt, igno­riert voll­ständig die Grös­sen­ord­nung der indu­zierten Fehler, die bei der Röhre um das Hun­dert­fache grösser sind.

Fazit: Die ori­ginal Naxos 24/96 Auf­nahme ist näher am Ori­ginal als die teu­rere 2xHD Vari­ante. Auch wer Röh­ren­sound und Vin­tage Audio liebt und bevor­zugt, kann sich die CHF 12.50 Vari­ante run­ter­laden. Der Röh­ren­ver­stärker in der Kette sorgt dann für das gewünschte Klangbild.

All­ge­mein: Zur HD Minus Kate­gorie zählen HD Auf­nahmen, die wäh­rend des Mas­te­ring Pro­zesses ana­loge Kom­po­nenten ein­binden. Dies kann bei­spiels­weise über den 2xHD Pro­zess, die CLASP Technik (siehe Blog „Tra­cker: digi­tale Analog-Aufnahme“) oder über digi­tale Zusatz­pro­gramme für digi­tale Audio Work­sta­tions (siehe Blog „Wie man bes­sere Klang­qua­lität einem mythi­schen Sound opfert“) rea­li­siert werden. Die ana­logen Kom­po­nenten fügen dem Signal die typi­schen Arte­fakte (Fehler) der ana­logen Audio­technik zu. Grund­sätz­lich wird die Signal­qua­lität damit negativ beein­flusst. Dies geschieht aber in der Absicht einen bestimmten Klang­cha­rakter zu kre­ieren, an den man sich aus den rein ana­logen Tagen gewöhnt hat. Diese Vor­ge­hens­weise ist vor allem im Pop Genre sehr beliebt. Wird bei Klassik- und Jazz-Produktionen aber eher selten ange­wendet. HD Minus Auf­nahmen können her­vor­ra­gend klingen, sie nutzen aller­dings nicht das volle HD Klang­po­ten­tial aus.

Hin­weis: das Label 2xHD ver­wendet auch ana­loge Mas­ter­bänder als Quellmaterial.

HD Transfer, HD Remaster. High Res Audio: Dich­tung und Wahr­heit (Teil 2)

Die Mehr­heit der ange­bo­tenen High Res Alben wurden nicht in einem High Res Format auf­ge­nommen – vor allem im Pop Genre. Es sind somit keine echten High Res Alben, sie wurden ledig­lich in einen High Res Con­tainer gepackt. Auch Über­spie­lungen von ana­logen Master Bän­dern erfüllen die im ersten Teil zu diesem Thema defi­nierten Kri­te­rien für HD-Audio nicht (hier der Link zum ersten Teil „HD, 2xHD und trotzdem kein HD“). Ein ana­loges Master Band kann klang­lich auf sehr hohem Niveau sein, erfüllt aber in Bezug auf Dyna­mik­um­fang, Kanal­tren­nung, Linea­rität und Pha­sen­sta­bi­lität die High Res Kri­te­rien bei weitem nicht. Auch nicht den Red Book CD Stan­dard. Ich spreche hier von Klang­prä­zi­sion nicht von Klang­prä­fe­renz. Es kann trotzdem sinn­voll sein, die vom Zer­fall bedrohten Mas­ter­bänder und Ori­gi­nal­auf­nahmen in einem High Res Format zu digi­ta­li­sieren um wert­volle Auf­nahmen zu erhalten. Die moderne Digital Audio Technik kann das ana­loge Mate­rial restau­rieren und Unzu­läng­lich­keiten der dama­ligen Auf­nah­me­technik bis zu einem gewissen Grad aus­merzen. Zur­zeit gelangen immer mehr dieser Alben im High Res Format auf den Markt. Lohnt es sich ein Album, wel­ches man schon als CD oder LP besitzt, noch­mals als HD-Ausgabe zu kaufen? Ja und Nein!

HD-Transfer und HD-Remaster: von grau­en­voll bis hervorragend

Man muss jede Neu­aus­gabe im HD-Format kri­tisch beur­teilen. Nach­fol­gend einige Bei­spiele – gute und schlechte – die helfen das Thema zu ver­stehen. Diese Bei­spiele sollen als Orientierungs- Ent­schei­dungs­hilfe dienen.

HD Trans­fers sind Über­spei­lungen von ana­logen Bän­dern (d.h. ana­loge Auf­nahmen) in die digi­tale Domäne. Die Kon­ver­tie­rung in ein HD-Format von 88.2kHz/96kHz – 24Bit ist sinn­voll. Diese For­mate ver­fügen über genü­gend Frequenz- und Dyna­mik­um­fang um den nötigen Frei­raum für die Nach­be­ar­bei­tung zu gewähr­leisten. Das oft gehörte Argu­ment, man müsse ein ana­loges Signal mit einer mög­lichst hohen Sam­pling­fre­quenz abtasten (96kHz, 192kHz, 384kHz), damit die ana­loge Wel­len­form mög­lichst genau gespei­chert werden kann, ist falsch (Hin­ter­grund­in­for­ma­tionen zu diesem Aspekt finden Sie hier Blog Digital Basics). Mass­ge­bende Kri­te­rien sind Dyna­mik­um­fang (dB/Bit) und Fre­quenz­um­fang (Hz/Samplingfrequenz in kHz) der Ori­gi­nal­auf­nahme und des Zielformates.

Nicht jeder HD-Transfer mit nach­fol­gender Nach­be­ar­bei­tung, sei es nun Restau­ra­tion oder Remas­te­ring, kann als gelungen bezeichnet werden. Dies hängt nicht zuletzt auch von der Qua­lität des Quell­ma­te­rials ab. Ein ana­loges Mas­ter­band ist min­des­tens die dritte Band­ge­nera­tion, denn kein Ton­meister ris­kiert es mit dem Ori­gi­nal­band zu arbeiten. Mit jeder Band­kopie gehen 3dB Dyna­mik­um­fang ver­loren, nehmen Ver­zer­rungs­kom­po­nenten zu. Ebenso unter­scheidet sich eine Auf­nahme aus den späten 50er und frühen 60er Jahren erheb­lich von dem was und wie im Jahr­zehnt vor und nach der Ein­füh­rung der CD in den Auf­nah­me­stu­dios pro­du­ziert wurde. Paul Simons Alben eignen sich sehr gut um diesen Epo­chen­aspekt zu beleuchten.

A) Sounds of Silence

 

Das Folk-Rock Album „Sounds of Silence“ von Simon und Gar­funkel erschein 1966. Es ist als SD (Stan­dard Defi­ni­tion) und HD Ver­sion bei diversen Anbie­tern erhält­lich. Hier die Spek­tral­ana­lyse der SD Ver­sion des Titels „April Come She Will“:

 

Bild 1: Der Track 9 „April Come She Will“ ist ein ruhiger Titel mit akus­ti­scher Gitarre und Gesang (CD Release von 1992). Das Fre­quenz­spek­trum der ana­logen Auf­nahme reicht knapp über 20kHz. Ober­halb von 18kHz werden die schwa­chen Signal­an­teile zuneh­mend von Band­rau­schen überdeckt.

 

Bild 2: Track 9 „April Come She Will“ Fre­quenz­spek­trum der HD-Version von 2014 (24/96). Das Rau­schen endet abrupt bei 22kHz. Die HD Ver­sion ist offen­sicht­lich nur eine CD in einer grös­seren Ver­pa­ckung. Ober­halb von 22kHz ist nichts! Nur Nullen auf der Festplatte.

Klingt nun die HD Ver­sion trotzdem besser – oder nur anders? Ja, es klingt anders, aber nur weil der Pegel der HD Ver­sion gegen­über der SD Ver­sion um knapp 3 dB lauter ist. Zudem ist die Dynamik kom­pri­miert SD = DR12, HD = DR10. Kor­ri­giert man den SD Pegel um 3 dB bei der Wie­der­gabe schmelzen die Unter­schiede dahin.

 

 

Bilder 3 und 4: SD oben, HD unten.

Die Dyna­mik­kom­pres­sion und die Pegelan­he­bung der HD Ver­sion ist auch in Adobe Audi­tion deut­lich an der Hüll­kurve erkennbar:

 

Bild 5: Die Hüll­kurve von „April Come She Will“ stellt die Mes­sungen der Bilder 3 und 4 gra­fisch dar.

Fazit: die HD Ver­sion von „Sounds of Silence“ gehört in die Kate­gorie HD Bluff – es wird mit plumpen Tricks gear­beitet. Die Klang­un­ter­schiede stammen von ein­fa­chen Signal­ma­ni­pu­la­tionen. Die Quelle für die HD Ver­sion ist offen­sicht­lich ein digi­taler Master und nicht das ana­loge Mas­ter­band aus dem Jahre 1966. Ver­mut­lich ist dieses nicht mehr spielbar oder war nicht ver­fügbar. Die Dyna­mik­kom­pres­sion lässt das Musik­stück druck­voller erscheinen, raubt ihm aber feine Details. Der Haupt­grund von High Defi­ni­tion bei Ton und Bild ist die Wie­der­gabe von feinen Details. Inso­fern ist die HD Ver­sion von „Sounds of Silence“ eine Farce: diese Ver­sion hat weniger Details. Bei HD Tracks ist das Album für USD 24.98 aus­schliess­lich im „audio­philen 192kHz Format“ erhält­lich. Die SD Ver­sion gibt’s bei Qobuz zum halben Preis. Wenn wir aber wissen, dass ober­halb von 22kHz nichts vor­handen ist, ist der Mehr­preis für die HD Ver­sion nicht gerecht­fer­tigt, ein Neu­kauf sinnlos.

B) Grace­land

 

Paul Simons Album Grace­land stammt aus dem Jahre 1986. Es ver­eint west­liche Folk- und Pop­musik mit afri­ka­ni­scher Musik und wurde zusammen mit Musi­kern aus Afrika auf­ge­nommen. Das erfolg­reiche Album wurde welt­weit über 14 Mil­lionen ver­kauft. Das mit zwei Grammy-Awards aus­ge­zeich­nete Werk ist das erfolg­reichste Solo­album von Paul Simon.

Als Ver­gleich zwi­schen der SD und HD Ver­sion (24/96) des Albums wurde die CD aus dem Jahr der Ver­öf­fent­li­chung und die HD Ver­sion der 25th Anni­ver­sary Edi­tion“ ver­wendet. Vorab: Hände weg von jeder Ver­sion dieser Jubi­lä­ums­aus­gabe. Ich habe die Alben für die High Res Blog Serie mehr oder weniger zufällig aus­ge­wählt. Die tech­ni­sche Ana­lyse erfolgte nach der Aus­wahl. Die Resul­tate sind somit nicht gesucht, son­dern sind das Abbild einer zufäl­ligen Stichprobe.

Die pseudo HD Ver­sion ist satte 8.63 dB lauter als die SD Ver­sion (CD) aus dem Jahr 1986. Die extreme Dyna­mik­kom­pres­sion ver­fälscht das Musik­si­gnal massiv. Der DR Wert sinkt von her­vor­ra­genden DR16 auf DR8 runter. Im Wei­teren war eine 16Bit/44.1kHz Ver­sion der Aus­gangs­punkt für die Nach­be­ar­bei­tung. Die Spek­tral­ana­lyse verdeutlicht:

 

Bild 6: Track „ Dia­monds on the Soles of Her Shoes”, Album “Grace­land “25th Anni­ver­sary Edi­tion”. Die klare Abriss­kante bei 22.05 kHz belegt die CD-Herkunft. Die Ultra­schall­an­teile ober­halb von 22kHz wurden dazu­ge­rechnet, sind künst­lich erzeugt (24/96 HD Remaster von 2012).

 

Bild 7: Die mas­sive Dyna­mik­kom­pres­sion ist ein Tribut an die Anfor­de­rungen des Mas­sen­marktes und bedeutet eine mas­sive Klang­ver­schlech­te­rung. Das Ganze dann noch in einen HD Con­tainer zu packen ist sinnlos. Der „HD-Remaster“ nutzt nicht einmal den Dyna­mik­um­fang einer Com­pact Cassette.

Fazit: Ein kaputt bear­bei­tetes Album, das als teures Qua­li­täts­pro­dukt ange­priesen wird. Punkt – mehr gibt es dazu nicht zu sagen. (Mehr Infos zum Thema Dyna­mik­kom­pres­sion finden Sie im Blog „Ver­stüm­melte Musik: wie Dyna­mik­kom­pres­sion und Daten­re­duk­tion die Musik ver­än­dern“ Link)

C) The Rhythm of the Saints

 

Das dritte Album der Paul Simon Reihe ist „The Rhythm of the Saints“ aus dem Jahr 1990, der HD-Remaster ist von 2011 (24/96). Vorab: diese Neu­auf­lage macht eher Sinn. Schauen wir uns vorweg die tech­ni­sche Ana­lyse an.

 

Bild 8: Die HD Ver­sion von 2011 weist auch hier keine Fre­quenz­an­teile ober­halb von 22.05kHz auf. Somit hat die Quelle SD‑, respek­tive CD-Auflösung. Der mitt­lere Pegel der HD-Version ist 1.5 dB lauter, der Dyna­mik­um­fang DR10 (SD = DR13) ist geringer.

 

Bild 9: Intro Track „Coast“ bei 15 Sekunden Spiel­zeit, Ein­satz Gitarre. Die Kanäle der HD Ver­sion (rot) sind gegen­über der SD Ver­sion von 1990 (grün) inver­tiert, was aber kein wirk­li­ches Pro­blem ist. Gut erkennbar ist die Pegelan­he­bung bei der HD Ver­sion (Dif­fe­renz Spit­zen­pegel SD = ‑16dB, HD = ‑13.5dB).

„The Rhythm of the Saints“ kann zu den bes­seren Remas­ters gezählt werden. Die Bear­bei­tung hebt ein­zelne Klang­spek­tren und Instru­mente hervor. Die Gitar­ren­saiten klingen deut­li­cher, haben mehr Prä­gnanz. Die hohen Per­kus­si­ons­stimmen neigen in der SD Ver­sion im Gesamt­klang unter­zu­gehen. Die HD Ver­sion bring hier eine bes­sere Klang­ba­lance trotz gerin­gerer Gesamt­dy­namik. Nur High Defi­ni­tion Audio ist die HD Ver­sion dieses Albums nicht. Als Remas­te­ring Arbeits­platt­form bietet sich das 24Bit/96 kHz Format an. Der grös­sere Arbeits­raum ermög­licht die Arbeiten genau und mit einer grossen Sicher­heits­marge aus­zu­führen. Auch die anschlies­sende Dis­tri­bu­tion in diesem Format geht in Ord­nung, denn ein gene­relles run­ter­rechnen auf 16Bit/44.1kHz kann zu Run­dungs­feh­lern und Quan­ti­sie­rungs­ver­zer­rungen führen, wenn kein Dither hin­zu­ge­fügt wird. Die Frage bleibt, ob es dann gerecht­fer­tigt ist eine Preis­dif­fe­renz zwi­schen der SD und HD Ver­sion des Remas­ters zu machen. Ich meine nicht. Spitz­findig gesagt, müsste die SD Ver­sion teurer sein, denn diese Ver­sion erfor­dert einen Arbeits­schritt mehr.

Fazit: Zusam­men­fas­send für die ganze Kate­go­ries dieser HD-Remasters gilt: die Klang­un­ter­schiede stammen nicht von der höheren Auf­lö­sung des HD For­mates, son­dern durch Ver­än­de­rung der inneren Struktur der ori­gi­nalen SD Auf­nahmen. Ob das Resultat über­zeugt, respek­tive ein Klang­vor­teil bringt, hängt von der Arbeits­qua­lität des Ton­in­ge­nieurs ab und den kom­mer­zi­ellen Vor­stel­lungen des Produzenten.

Noch älter! Wird’s dann besser oder noch schlechter?

Als letzten Punkt für heute schauen wir uns eine der mar­kan­testen Alben der jün­geren Musik­ge­schichte an: Harry Bela­fontes „Bela­fonte Live at Car­negie Hall“. Die Auf­nahme von Bob Simpson ent­stand anläss­lich von zwei Benefiz Kon­zerten im April 1959 live in der Car­negie Hall, New York. Das Dop­pel­album ist ein Dau­er­brenner über all die Jahr­zehnte des Ton­trä­ger­ver­kaufs. Es über­rascht daher nicht, dass auch hier eine HD-Version auf dem Markt erhält­lich ist.

D) Bela­fonte Live at Car­nagie Hall

 

Wir betrachten zwei Stücke aus diesem Dop­pel­album: „Sylvie“ und „Cotton Fileds“. Die in diesen Artikel ver­wen­dete SD Ver­sion ist die CD Ver­öf­fent­li­chung von 1993.

Dieser HD Transfer (24/96) ist gelungen. Offen­sicht­lich wurde nicht ein­fach der CD Master von 1993 bear­beitet, wie wir dies bei Paul Simons Alben gesehen haben, son­dern auf ein ana­loges Master zurück­ge­griffen. Auf wel­ches liess sich nicht eru­ieren. Betrachten wir die Fre­quenz­spek­tren der HD Ausgabe:

 

Bild 10: „Sylvie“ Das Fre­quenz­spek­trum reicht deut­lich bis 25kHz, danach sind die noch schwa­chen Fre­quenz­an­teile nahezu voll­ständig von Rau­schen überdeckt.

 

Bild 11: „Cotton Fields“ Das Fre­quenz­spek­trum reicht eben­falls bis 25kHz, danach sind die noch schwa­chen Fre­quenz­an­teile nahezu voll­ständig von Rau­schen überdeckt.

Die Spek­tral­ana­lyse lässt darauf schliessen, dass die HD Ver­sion von einem ana­logen Mas­ter­band stammt. Da es nicht sicher ist, ob das Band von 1959 noch spielbar ist, könnte der Transfer auch von einer spä­teren Siche­rungs­kopie abstammen.

Die HD Ver­sion bringt Bela­fontes Stimme bei beiden Stü­cken feiner, fokus­sierter und weniger rau. Der Raum um die Musiker ist ruhiger, leicht tiefer wahr­nehmbar. Piano und Schlag­zeug bei Cotton Fileds wirken befreiter, das Ganze fliesst (schmiert) weniger inein­ander. Grund­sätz­lich ist „Bela­fonte Live at Car­negie Hall“ eine bemer­kens­werte Auf­nahme. Die oft bei ana­logen Auf­nahmen ver­schwom­menen, inein­ander flies­senden Stimmen und Instru­mente sind hier deut­lich fokus­siert. Die HD Ver­sion stei­gert diese Details.

Fazit: Dieser HD-Transfer ist wirk­lich gelungen und emp­feh­lens­wert, selbst wenn man die Auf­nahme schon besitzt. Die Pegel­dif­fe­renz zur SD Ver­sion beträgt 0.5 dB die DR Werte sind nahezu iden­tisch. Als HD Transfer kann man die behut­same Über­spie­lung von ana­logen Mas­ter­bän­dern bezeichnen. Mar­kant ist, dass auf mas­sive Signal Mani­pu­la­tionen ver­zichtet wird. Es geht ums restau­rieren. Man ver­sucht Unzu­läng­lich­keiten der dama­ligen Technik, wie Rau­schen zu ent­fernen. Aber immer nur soweit, dass nicht mehr ver­loren geht als gewonnen wird. So scheint auch diese Bela­fonte Neu­ver­öf­fent­li­chung leicht ent­rauscht worden zu sein. Es geht eben­falls darum Sünden frü­herer Remas­ters zu ver­meiden. Die Rau­ig­keit der Bela­fonte Stimme der 1993 CD Aus­gabe kommt sehr wahr­schein­lich von einer Pegelan­he­bung im Bereich zwi­schen 1kHz und 3kHz, die in einigen Tracks vor­handen ist.

 

Bild 12: Track „Sylvie“, CD 1993. Pegelan­he­bung im Bereich zwi­schen 1kHz und 3kHz (Equa­lizer) ist deut­lich erkennbar, vor allem beim Klat­schen am Schluss des Stückes.

 

Bild 13: Track „Sylvie“, HD Ver­sion. Pegelan­he­bung im Bereich zwi­schen 1kHz und 3kHz (Equa­lizer) ist nicht sichbar. Die Schall­energie baut sich gleich­mässig zu hohen Fre­quenzen hin ab.

HD Remaster, HD Transfer sind häufig ange­wen­dete Tech­niken um bestehende Auf­nahmen aus der rein ana­logen Epoche aber auch digi­tale Auf­nahmen aus den 80er und 90er Jahren Nach­zu­be­ar­beiten (Remas­te­ring). Ob die HD-Version besser oder schlechter klingt als die Erst­aus­gabe oder eine frü­here Nach­be­ar­bei­tung ist bei jedem Album kri­tisch zu prüfen. Tipps und Aus­wahl­kri­te­rien später.

Teil 3

High Reso­lu­tion, High Defi­ni­tion, Stan­dard Defi­ni­tion: Offen­sicht­lich genervt über diese Begriffs­viel­falt und Begriffs­ver­wir­rung, bat ein frus­trierter Leser diesen Knoten zu ent­wirren. Auch die Adobe Audi­tion Bilder mit den Spek­tral­ana­lysen sind schwierig zu ver­stehen, wenn man nicht von der tech­ni­schen Seite her kommt. Ich ver­suche heute hier Licht ins Dunkel zu bringen und einige Grund­ele­mente zum Ver­ständnis der Materie zu erklären.

Die Audio­in­dus­trie ist leider nicht in der Lage eine ein­heit­liche Defi­ni­tion und Bezeich­nung für hoch­auf­lö­sende Audio­for­mate zu schaffen. Wir müssen mit meh­reren Auf­fas­sungen und Logos für hoch­auf­lö­sende Musik leben.

 

Bild 1: Mit Hi-Res Music hat die Musik­in­dus­trie ein wei­teres Logo zum Thema kre­iert (Grösser = auf Bild klicken).

Die Her­lei­tung für eine klare HD Definition

Wie sieht nun eine fun­dierte Defi­ni­tion für High Defi­ni­tion Audio aus? Ich bleibe nun kon­se­quent beim mir am sinn­vollsten erschei­nenden Begriff HD Audio. Die Musik­in­dus­trie und Teile der Gerä­te­in­dus­trie ver­su­chen mit einem sub­jek­tiven Ansatz alle mög­li­chen Arten von Auf­nahmen als HD zu ver­markten, egal ob die tech­ni­schen Para­meter für HD Audio erfüllt werden oder nicht. Grund­sätz­lich muss HD Audio den Frequenz- und Dyna­mik­um­fang der auf­zu­zeich­nenden Musik voll­um­fäng­lich erfassen, spei­chern und repro­du­zieren können. Der mensch­liche Hör­be­reich muss voll­ständig abge­deckt sein. Dies auch in Bezug auf die zeit­lich genaue, pha­sen­sta­bile Repro­duk­tion des Klang­ge­sche­hens. Die Linea­rität muss hoch sein, die Ver­zer­rungs­kom­po­nenten mög­lichst gering. Dieser tech­ni­sche Ansatz kann und sollte mit sub­jek­tiven Hör­aspekten, d.h. Hör­psy­cho­logie als Wech­sel­be­zie­hung betrachtet werden.

 

Bild 2: Fre­quenz und Dyna­mik­um­fang der Instru­mente und der mensch­liche Hör­be­reich sind der Mass­stab für die Defi­ni­tion von HD-Audio. Das Ober­ton­spek­trum der Instru­mente reicht deut­lich über den mensch­li­chen Hör­be­reich hinaus. Aller­dings sind diese Fre­quenz­an­teile von der Energie her (Laut­heit) extrem schwach. Dies ver­deut­licht das stark abfal­lende Fre­quenz­spek­trum ober­halb von 20kHz (blaue Kurve) (Grösser = auf Bild klicken).

Stellen wir nun diese Anfor­de­rungen (tech­ni­sche Eck­werte) den Mög­lich­keiten der ver­schie­denen Audio­tech­no­lo­gien gegenüber.

A) Analog Audio: Ent­wick­lung von der Edison Walze von 1877 bis zu der aus­ge­feilten Technik heu­tiger Vinyl Ton­trä­ger­sys­teme. Dies schliesst auch die ana­loge Band­technik ein. Es geht um rein ana­loge Audiotechnik.

B) CD Format 16/44.1. Das Grund­kon­zept der digi­talen Audio­technik aus den frühen 80er Jahren. Der Red Book Stan­dard defi­niert einer­seits die lange gül­tigen Auf­zeich­nungs­pa­ra­meter und ander­seits die CD als phy­si­schen Träger mit opti­scher Abtas­tung als Distributionsformat.

C) Digi­tale Audio­for­mate, welche einen höheren Dynamik- und Fre­quenz­um­fang als die bis­he­rigen unter A und B defi­nierten For­mate haben und die Kri­te­rien „mensch­li­cher Hör­be­reich“ und „Ton­um­fang der Instru­mente“ erfüllen oder übertreffen.

 

Bild 3: Das PCM Format 24Bit/96kHz erfüllt die oben genannten Kri­te­rien voll­um­fäng­lich. 24/192 deckt einen Bereich ab, indem nichts vor­handen ist. Den­noch wird dieses Format als noch besser als 24/96 ver­marktet. Es gibt nur ganz schwache Argu­mente die 24/192 recht­fer­tigen. Diese drehen sich um den Aspekt des zeit­li­chen Auf­lö­sungs­ver­mö­gens eines Sys­tems und um Filt­er­ei­gen­schaften (Grösser = auf Bild klicken).

Ver­gleich von ana­logen und digi­talen Technologien

Die Indus­trie bringt nun lau­fend Remas­ters und Über­spie­lungen von ana­logen Bän­dern oder gar Schall­platten als HD Alben auf den Markt. Erfüllen diese als Down­load erhält­li­chen Neu­auf­lagen bekannter Alben die HD Kri­te­rien? Erfüllt bereits die CD HD Kriterien?

 

Bild 4: Wir sehen, die ana­loge Audio­technik erfüllt die Kri­te­rien Mensch/Instrument nicht ganz. Auch nicht in den Aspekten zeit­li­ches Auf­lö­sungs­ver­mögen, Linea­rität, Ver­zer­rungen und Kanal­tren­nung. Den­noch können mit ana­loger Technik her­vor­ra­gende Auf­nahme gemacht werden. Nur erfüllen diese die Anfor­de­rungen für HD Audio nicht. Die CD punktet mit hoher Dynamik, Kanal­tren­nung und Linea­rität, kann aber in Bezug auf das repro­du­zier­bare Fre­quenz­spek­trum die Anfor­de­rungen nicht erfüllen.

Wie gesagt, mit ana­logen Tech­no­lo­gien lassen sich durchaus über­zeu­gende Auf­nahmen rea­li­sieren. Werden nun solche per Defi­ni­tion als Stan­dard Auf­lö­sung ein­ge­ord­neten Auf­nahmen in einen HD Hülle (Con­tainer) gepackt, haben wir trotzdem nur eine Klang­treue (Fide­lity) auf SD Niveau. 1 Kilo Zucker in einem 2 Kilo Sack erzeugt auf der Waage trotzdem nur 1 Kilo auf der Anzeige.

Aber: „Analog hat im Gegen­satz zu digital Audio eine unend­liche Auf­lö­sung – die Infor­ma­tion zwi­schen den Abtast­werten sind bei digital ver­loren“. Diese Aus­sage hört man oft. Nur stimmt sie nicht. > Link Digital Basics. Die rele­vanten Para­meter sind Dynamik und Fre­quenz­um­fang – egal ob digital oder analog Technik.

Somit fol­gern wir, dass für echtes HD Audio die Kette (Auf­nahme, Spei­che­rung, Wie­der­gabe) durch­gängig min­des­tens im Format 24Bit/88.2kHz (Dynamik)/(Frequenzumfang) arbeiten muss. Oder vom CD-Niveau her betrachtet: HD muss mehr als 16Bit Wort­länge UND 44.1kHz Sam­pling­fre­quenz haben.

Hier die Defi­ni­tion der Japan Audio Society aus dem Jahre 2014 für HD Audio. Die erste grif­fige tech­ni­sche Defi­ni­tion, die mit dem Hi-Res Logo ver­knüpft ist. Leider klebt das Hi-Res Logo auf Alben und auch auf Geräten (hier aller­dings sehr selten), welche die HD Kri­te­rien nicht erfüllen.

 

Ana­lyse Werk­zeuge helfen eine Auf­nahme nach mess­baren Kri­te­rien zu beurteilen

Mit Hilfe von Pro­grammen, wie Adobe Audi­tion, lassen sich Musik­auf­nahmen ana­ly­sieren und von der tech­ni­schen Seite her beur­teilen. Wir haben diese Bilder schon oft in unserem Blog publi­ziert. Wie muss man diese nun lesen?

Vorweg muss man sich kurz mit der Physik eines Klanges beschäf­tigen. Jeder Ton den ein Instru­ment erzeugt (auch Gesang), besteht aus Grund- und Ober­tönen. Diese Grund- und Ober­töne sind immer sinus­förmig und stehen in einem mathe­ma­ti­schen Ver­hältnis zum Grundton. Die ein­zelnen Sinus­schwin­gungen addieren und sub­tra­hieren sich zu einer Hüll­kurve. Der Grundton bestimmt die Ton­höhe, die Ober­töne den Klang­cha­rakter, also ob wir eine Trom­pete oder eine Gitarre hören.

 

Bild 5: Ein Klang ent­steht durch Grund und Ober­tönen. Diese ergeben die Hüll­kurve. Obere Bild­hälfte: Grundton = rote Sinus­schwin­gung = Ton­höhe. Ober­töne: 1 Har­mo­ni­sche = blaue Sinus­schwin­gung, 2. Har­mo­ni­sche = grüne Sinus­schwin­gung. Hüll­kurve = vio­lette Schwin­gung (nicht mehr sinus­förmig). Sie sehen, wie das ver­ein­fachte Grund­prinzip in der oberen Bild­hälfte mit den Adobe Audi­tion Bil­dern korrespondiert.

Hier noch­mals das gleich Prinzip mit einer Grund­schwin­gung und zwei Ober­tönen als Audi­tion Grafik:

 

Bild 6: Die Aus­sage von Bild 5 mit Audi­tion rea­li­siert. Man sieht deut­lich die mit zuneh­mender Fre­quenz abneh­mende Energie der Schwin­gungen. Der 1kHz Ton ist kräftig orange, der 10kHz Ton schwach vio­lett. Die grüne Hüll­kurve zeigt die sich über­la­gernden Fre­quenzen (die obere Zeit­achse ist stark gedehnt im Ver­hältnis zur Spek­tral­an­zeige unten). Die ein­zelnen Töne setzen zeit­ver­setzt ein.

Hier die aus dem vor­letzten Blog bekannte Grafik der Ber­lioz Sym­phonie fan­tas­tique, die Sie nun besser inter­pre­tieren können:

 

Bild 7: Der grosse Dynamik- und Fre­quenz­um­fang dieser Ber­lioz HD Auf­nahme (24/96) lässt sich nicht voll­um­fäng­lich auf einem Träger im SD Format (CD/Tape/Vinyl) speichern.

Knack­nuss zeit­li­ches Auf­lö­sungs­ver­mögen – wirklich?

Das zeit­liche Auf­lö­sungs­ver­mögen des mensch­li­chen Hörens wurde in letzter Zeit ver­mehrt dis­ku­tiert. Rich­tungs­ori­en­tiertes Hören ent­steht dadurch, dass Schall­wellen von rechts zuerst am rechten Ohr ein­treffen und zeit­ver­setzt am linken Ohr. Aus der kleinen Zeit­dif­fe­renz errechnet unser Hirn die Rich­tung aus der der Ton oder das Geräusch kommt. Das zeit­liche Auf­lö­sungs­ver­mögen des Men­schen ist weit grösser als die Fähig­keit unter­schied­liche Ton­höhen genau zu erkennen. Auf die Audio­technik über­tragen bedeutet dies, dass bei einem Audio­gerät Pha­sen­fehler (zeit­li­cher Ver­satz des Signals) respek­tive Jitter in digi­talen Sys­temen einen viel grös­seren Ein­fluss auf das Hör­emp­finden haben als Fre­quenz­gang­fehler. Es erstaunt daher auch nicht, dass die Bowers & Wil­kins Inge­nieure mehr Wert auf Pha­sen­treue als auf eine extrem gerade Linie im Fre­quenz­dia­gramm legen.

Das zeit­liche Auf­lö­sungs­ver­mögen der CD wird aus Unkenntnis über die Funk­ti­ons­weise der digi­talen Signal­ver­ar­bei­tung sehr oft falsch inter­pre­tiert. Es herrscht die irrige Mei­nung vor, die Infor­ma­tion zwi­schen den Abtast­punkten sei ver­loren. Auch ein Zeit­ver­satz der kleiner als das Abtast­in­ter­vall ist, wird bei der Wie­der­gabe zeit­richtig rekon­stru­iert. Eine höhere Abtast­fre­quenz (Sam­ple­rate) erfasst nicht mehr Infor­ma­tionen im Fre­quenz­be­reich der bereits von einer tie­feren Abtast­rate erfasst wurde. Die Erhö­hung von 44.1 kHz auf 96 kHz erwei­tert den mög­li­chen Über­tra­gungs­be­reich von 22.05 kHz auf 48kHz.

Fazit: HD Audio kann tech­nisch genau defi­niert werden. Die Mar­ke­ting­ab­tei­lungen ver­su­chen auch SD For­mate als HD Audio zu ver­kaufen. Mit Aus­sagen wie „Mas­ter­band Qua­lität“ „und „so wie es die Künstler im Studio hören“ werden SD Auf­nahmen ab Band oder CD Master in HD Con­tainer ver­packt und ange­boten. Aber auch auf der anderen Seite der HD Line wird kräftig mit hohen und immer höheren Sam­pling­raten ver­sucht ver­meint­lich bes­sere Qua­lität zu lie­fern. Ausser Nullen auf der Fest­platte und einem leicht lee­reren Geld­beutel pas­siert aber gehör­mässig nichts. Als Grund für Sam­pling­raten grösser als 96kHz werden Vor­teile im Zeit- und Fil­ter­be­reich genannt. Nur bis jetzt fehlt der schlüs­sige Beweis für diese Argumente.

High-Res-Audio oder High-Definition-Audio wäre eigent­lich eine klare, unmiss­ver­ständ­liche Sache. Ein Ensemble oder Band spielt im Auf­nah­me­raum. Das Klang­e­schehen wird von den Mikro­fonen erfasst und in einem HD-Format mit 96kHz Sam­pling Fre­quenz (spei­cher­barer Fre­quenz­um­fang) und 24Bit Wort­länge (spei­cher­barer Dyna­mik­um­fang) gespei­chert. Alle im Pro­zess ein­ge­setzten Geräte und Pro­gramme erfüllen die tech­ni­schen Werte für High Res Audio. Die Nach­be­ar­bei­tung (Mas­te­ring) erfolgt eben­falls im 24/96 Format. Das End­pro­dukt wird als 96/24 HD-Download oder durch Umrech­nung ins 16Bit/44.1kHz Format als CD ange­boten. Der Down­load ist High Res Audio, die CD ist defi­ni­ti­ons­ge­mäss Stan­dard Audio. Punkt.

Doch so ein­fach, wie oben dar­ge­stellt, ist das Thema nicht. Betrachten wir die Rea­lität anhand von einigen aus­ge­suchten Alben. Die Titel eines im Online-Musikshop ange­bo­tenen Albums können in MP3 Qua­lität vor­ge­hört werden (meis­tens 256kbs oder 320kbs). Neben den Album­in­for­ma­tionen werden auch die ver­füg­baren Down­load­for­mate und Preise gelistet. Ob die Auf­nahme wirk­lich gut klingt und ob das Album HD-Audio Kri­te­rien erfüllt, hören wir frü­hes­tens bei der Wie­der­gabe über eine High-End-Anlage. Und auch dann können wir nicht sicher sein, ob die High-Res Stan­dards erfüllt sind. Das Ganze wäre weniger kri­tisch, wenn nicht für die HD-Versionen eines Albums teil­weise mar­kante Auf­preise ver­langt würden. Je höher die Sam­pli­grate desto höher der Preis. Diese Mehr­kosten sind nicht immer gerecht­fer­tigt. Mythen und Pro­dukt Lob­prei­sungen, die teil­weise aus tech­ni­scher Sicht blanker Unsinn sind, helfen auch zwei­fel­hafte Auf­nahmen zu höheren Preisen zu ver­kaufen. Dies zum Schaden wirk­li­cher High Res Auf­nahmen, denn unse­riöse Anbieter bringen die Branche in Verruf, ver­un­si­chern die Endkunden.

Wie erkennt man, ob die HD-Version den Mehr­preis wert ist?

Anhand wel­cher Kri­te­rien kann vor dem Kauf die rich­tige Aus­wahl getroffen werden? Lassen Sie mich die Fragen mit Hilfe einiger Bei­spiele beant­worten. HD-Alben lassen sich in fol­gende Kate­go­rien einteilen:

A) Echte, native HD Auf­nahmen
B) HD-Minus

Sub­ka­te­go­rien:

C) HD-Transfer
D) HD-Remaster
E) HD-Bluff

Die Kate­go­rien A und D sind relativ ein­fach zu erkennen, dazu mehr im nächsten Blog. Beginnen wir mit den nicht so offen­sicht­li­chen Fällen.

Als Bei­spiel für HD-Minus nehmen wir Berloz‘ Sym­phonie fan­tas­tique des Labels 2xHD. Don­ner­wetter, da muss was dahinter sein, wenn man den Anspruch erhebt dop­pelt so gut zu sein, wie die anderen HD-Anbieter und das auch auf der Web­site pro­mi­nent für sich in Anspruch nimmt. Hier die 2xHD Werbebotschaft:

“2xHD THE MOST MUSICAL HIGH RESO­LU­TION STAN­DARD AVAIL­ABLE. This supe­rior down­load plat­form is able to deliver high reso­lu­tion music, through Cloud-based dis­tri­bu­tion. HD down­loads, using Direct Stream Digital (DSD and DSD 2) or Digital eXtreme Defi­ni­tion (DXD) deliver a total natural sound. It is the new method for sel­ling qua­lity music repro­duc­tion on-line.

With this ‘back-to-the-future’ tech­no­logy, music can now be down­loaded without using com­pres­sion. The resul­ting higher fide­lity (40% better than CD), not only retains the warmth and depth of the ori­ginal recording, it car­ries a new trans­pa­rency to the higher register so that each instru­ment can be heard with bril­liant cla­rity even at a lower lis­tening level. One can hear studio qua­lity repro­duc­tion in one’s own living room.” Quelle: http://www.2xhd.com/technology.html

Da wird eine Zurück in die Zukunft Tech­no­logie ange­priesen, welche eine um 40% bes­sere Klang­qua­lität als die CD lie­fert. Weiter wird ver­spro­chen, dass die Wärme und Tiefe, der Ori­ginal Auf­nahme erhalten bleiben, eine neue Trans­pa­renz in den oberen Regis­tern geboten werde und man die Studio Qua­lität im eigenen Wohn­zimmer hören kann. Was steckt hinter dem 2xHD Pro­zess, der am Ende nur zu HD-Minus führt? Auf der 2xHD Web­site werden die Pro­duk­ti­ons­schritte nicht im Detail erläu­tert, dafür aber im Booklet der 2xHD Alben. Das Label legt die Pro­duk­ti­ons­me­thode offen und ist auch offen­sicht­lich über­zeugt, so bes­sere Resul­tate zu erzielen = näher am Ori­gi­nal­klang zu sein.

2xhd-process

Bild 1: “The pro­cess begins with a transfer to analog from the ori­ginal 24bits/96kHz, or 88.2 kHz reso­lu­tion master, using cut­ting edge D/A con­ver­ters. The analog signal is then sent through a hi-end tube pre-amplifier and (if needed) will be EQ’d before being recorded directly in DXD using the dCS905 A/D and the dCS Vivaldi Clock. All con­nec­tions used in the pro­cess are made of OCC silver cable. DSD and 192kHz/24Bit ver­sions are sepa­r­ately gene­rated, directly from the analog signal.” Quelle: Booklet 2xHD, Ber­lioz, Sym­phonie fan­tas­tique. Grösser: auf Bild klicken.

Da wird also eine digi­tale Auf­nahme in die ana­loge Domäne kon­ver­tiert, bear­beitet und wieder digi­ta­li­siert in unter­schied­lichsten HD-Formaten ange­boten. Ana­ly­sieren und ver­glei­chen wir die Ori­ginal Auf­nahme und die 2xHD Ver­sion miteinander:

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Bild2: Fre­quenz­sek­trum der Ori­ginal Naxos 24/96 Auf­nahme. Ber­lioz: Sym­phonie fan­tas­tique, Op. 14: IV. Marche au Sup­plice: Alle­gretto non troppo. Die Ultra­schall­an­teile rei­chen bis knapp über 40kHz. Das klare Spek­trum ohne Rau­sch­an­teile ist typisch für eine 24/96 PCM Ein­spie­lung. Die hohen Ener­gie­an­teile im tief­fre­quenten Bereich sind orange und rot. Zu höheren Fre­quenzen hin nimmt die Schall­energie kon­ti­nu­ier­lich ab. Je schwä­cher die vio­letten Anteile sind, desto geringer ist die Energie. Im Ultra­schall­be­reich ober­halb von 20kHz liegt diese meist unter 1% der Energie des Grund­tones. Das Bild zeigt die spek­trale Ener­gie­ver­tei­lung des ganzen Satzes – Zeit­achse von links nach rechts. Grösser: auf Bild klicken.

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Bild3: Das Fre­quenz­spek­trum der 2xHD Bear­bei­tung bleibt knapp unter 40kHz. Grösser: auf Bild klicken.

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Bild 4: Fre­quenz­ana­lyse (FFT). Grün = Naxos 24/96 Ori­ginal, Rot = 2xHD Ver­sion. Die Nach­be­ar­bei­tung zeigt deut­liche Abwei­chungen zum Ori­ginal. Das Spek­trum ist im oberen Fre­quenz­be­reich um bis zu 6dB ange­hoben. Grösser: auf Bild klicken.

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Bild 5: Hüll­kurve. Grün = Naxos 24/96 Ori­ginal, Rot = 2xHD Ver­sion. Der Signal­pegel der 2xHD Nach­be­ar­bei­tung ist 0.63 dB höher, d.h. die 2xHD Auf­nahme ist leicht lauter. Da iden­ti­sche Pegel für einen kor­rekten Ver­gleich unab­dingbar sind, wurde dieser bei der Naxos 24/96 Pegel ent­spre­chend ange­hoben. Die rote 2xHD Kurve weicht immer wieder vom Ori­ginal ab, vor allem in Bezug auf Pegel und Pha­sen­lage. Grösser: auf Bild klicken.

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Bild 6: Pha­sen­lage – Polar­dia­gramm rechte Bild­hälfte. Weiss = Naxos 24/96 Ori­ginal, Rot = 2xHD Ver­sion. Die Pha­sen­lage der beiden linken Kanäle wurde exakt zum glei­chen Zeit­punkt gemessen (1:45:321 – siehe Hüll­kurve im linken Bild­teil, Grün = Naxos 24/96, Rot = 2xHD). Pha­sen­ver­schie­bungen sind Fehler im Zeit­be­reich. Die 2xHD hat erheb­liche Pha­sen­fehler. Grösser: auf Bild klicken. 

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Bilder 6 und 7: Audio­ana­lyse, 2xHD oben. Mes­sung von Pegel und Dyna­mik­be­reich. Die 2xHD Nach­be­ar­bei­tung weist einen um 0.63 DB höheren Pegel auf und einen leicht gerin­geren Dyna­mik­be­reich (DR15). Grösser: auf Bild klicken.

Die Mes­sungen zeigen deut­lich: die Nach­be­ar­bei­tung weicht sichtbar von der Ori­gi­nal­auf­nahme ab. Somit wurden dem Ori­ginal Signal­an­teile hin­zu­ge­fügt oder Signal­an­teile ent­fernt und auf der Zeit­achse treten Pha­sen­ver­schie­bungen auf. Wie macht sich das Ganze nun gehör­mässig bemerkbar?

Wie werden diese Fehler wahr­ge­nommen: der Höreindruck

Damit die Adobe Audi­tion Ana­lyse die Hör­be­ur­tei­lung nicht beein­flusst (self bia­sing), habe ich beide Ver­sionen als erstes intensiv gehört. Nur die Pegel­mes­sung (Bilder 6 und 7) wurde vorab gemacht und die Abhör­laut­stärke beim Titel­wechsel jeweils um 0.5dB am Vor­ver­stärker (CP-800) kor­ri­giert. Die 2xHD Auf­nahme hat weniger Prä­gnanz gegen­über dem 24/96 Ori­ginal. Die Blech­bläser ver­lieren spürbar an Strahl­kraft und Bril­lanz, die Fagott­stimme an Knur­rig­keit. Das Klang­bild wirkt ins­ge­samt wei­cher, die Abbil­dung der Instru­mente ist weniger prä­zise, die Posi­tio­nie­rung dif­fuser. Auch die Raum­ab­bil­dung leidet. Der Raum zwi­schen den Instru­menten wirkt redu­ziert, was als Folge der brei­teren Abbil­dung der Instru­mente ange­sehen werden kann. Das Fell der Pauke am Satz­be­ginn scheint im ersten Ein­druck schöner nach­zu­schwingen. Beim mehr­ma­ligen Ver­gleich mit dem Ori­ginal, ent­puppt sich diese Wahr­neh­mung aber eher als Schmiereffekt.

Schluss­fol­ge­rung aus Mes­sungen und Hör­ein­druck: 2xHD hält nicht was das Label anpreist. Beson­ders die Aus­sage von mehr Raum und Prä­zi­sion kann nicht bestä­tigt werden. Im Gegen­teil. Die 2xHD Ver­sion ist nicht besser, sie ist schlechter als das Ori­ginal, wenn auch minim. Daher das Ver­dikt: HD Minus. Das Resultat kann nicht wirk­lich über­ra­schen. All diese Kon­ver­tie­rungen und das Durch­schlaufen des Signals durch ana­loge, teil­weise mit Röhren bestückten Geräten kann keine Ver­bes­se­rung des Ori­gi­nals bringen. Viel­mehr werden dem Signal Ver­fär­bungen bei­gemischt. Wenn die 2xHD Macher das Resultat als besser emp­finden, dann suchen sie primär den Klang der ana­logen Wie­der­ga­be­technik und nicht den Ori­gi­nal­klang der im Auf­nah­me­raum vorherrschte.

Weniger Qua­lität zum höheren Preis

Die Preise für die ver­schie­denen HD Downloads.

 

Quelle

Preis

Naxos Ori­ginal

PrestoClassical.co.uk

12.50 CHF

Naxos Ori­ginal

Classiconlinehd.com

11.99 USD

2xHD

Qobuz.com

23.99 CHF

2xHD

Hdtracks.de

29.00 € (384/24)

2xHD

Hdtracks.de

20.00 € (192/24)

Teil­weise hap­pige Auf­preise. Und wieder finden wir in der Anprei­sung die nichts sagende Wort­hülse musi­ka­lisch, bei 2xHD sogar in der Stei­ge­rung als am „meisten musi­ka­lisch“. Unter musi­ka­lisch kann sich jeder Vor­stellen was er will, ein völlig sub­jek­tiver, unprä­ziser Begriff, mit einem für Andere nicht repro­du­zier­baren Inhalt. Ebenso das Auf­blasen der Dateien auf 192kHz und 384kHz ist mehr als frag­würdig – um es höf­lich zu for­mu­lieren. Wir haben gesehen, dass ober­halb von 40kHz keine Signal­an­teile mehr vor­handen sind. Mit 96kHz Sam­pling­fre­quenz lassen sich Fre­quenzen bis 48kHz auf­zeichnen. 192kHz und 384kHz Dateien über­tragen keine Mehr­in­for­ma­tionen, nur mehr Nullen. Wer bei 192kHz und höher das Filter Thema als Argu­ment für eine noch höhere Sam­pling­fre­quenz anbringt aber gleich­zeitig Röh­ren­technik in den Signalweg ein­bringt, igno­riert voll­ständig die Grös­sen­ord­nung der indu­zierten Fehler, die bei der Röhre um das Hun­dert­fache grösser sind.

Fazit: Die ori­ginal Naxos 24/96 Auf­nahme ist näher am Ori­ginal als die teu­rere 2xHD Vari­ante. Auch wer Röh­ren­sound und Vin­tage Audio liebt und bevor­zugt, kann sich die CHF 12.50 Vari­ante run­ter­laden. Der Röh­ren­ver­stärker in der Kette sorgt dann für das gewünschte Klangbild.

All­ge­mein: Zur HD Minus Kate­gorie zählen HD Auf­nahmen, die wäh­rend des Mas­te­ring Pro­zesses ana­loge Kom­po­nenten ein­binden. Dies kann bei­spiels­weise über den 2xHD Pro­zess, die CLASP Technik (siehe Blog „Tra­cker: digi­tale Analog-Aufnahme“) oder über digi­tale Zusatz­pro­gramme für digi­tale Audio Work­sta­tions (siehe Blog „Wie man bes­sere Klang­qua­lität einem mythi­schen Sound opfert“) rea­li­siert werden. Die ana­logen Kom­po­nenten fügen dem Signal die typi­schen Arte­fakte (Fehler) der ana­logen Audio­technik zu. Grund­sätz­lich wird die Signal­qua­lität damit negativ beein­flusst. Dies geschieht aber in der Absicht einen bestimmten Klang­cha­rakter zu kre­ieren, an den man sich aus den rein ana­logen Tagen gewöhnt hat. Diese Vor­ge­hens­weise ist vor allem im Pop Genre sehr beliebt. Wird bei Klassik- und Jazz-Produktionen aber eher selten ange­wendet. HD Minus Auf­nahmen können her­vor­ra­gend klingen, sie nutzen aller­dings nicht das volle HD Klang­po­ten­tial aus.

Hin­weis: das Label 2xHD ver­wendet auch ana­loge Mas­ter­bänder als Quellmaterial.

Teil 2

Die Mehr­heit der ange­bo­tenen High Res Alben wurden nicht in einem High Res Format auf­ge­nommen – vor allem im Pop Genre. Es sind somit keine echten High Res Alben, sie wurden ledig­lich in einen High Res Con­tainer gepackt. Auch Über­spie­lungen von ana­logen Master Bän­dern erfüllen die im ersten Teil zu diesem Thema defi­nierten Kri­te­rien für HD-Audio nicht (hier der Link zum ersten Teil „HD, 2xHD und trotzdem kein HD“). Ein ana­loges Master Band kann klang­lich auf sehr hohem Niveau sein, erfüllt aber in Bezug auf Dyna­mik­um­fang, Kanal­tren­nung, Linea­rität und Pha­sen­sta­bi­lität die High Res Kri­te­rien bei weitem nicht. Auch nicht den Red Book CD Stan­dard. Ich spreche hier von Klang­prä­zi­sion nicht von Klang­prä­fe­renz. Es kann trotzdem sinn­voll sein, die vom Zer­fall bedrohten Mas­ter­bänder und Ori­gi­nal­auf­nahmen in einem High Res Format zu digi­ta­li­sieren um wert­volle Auf­nahmen zu erhalten. Die moderne Digital Audio Technik kann das ana­loge Mate­rial restau­rieren und Unzu­läng­lich­keiten der dama­ligen Auf­nah­me­technik bis zu einem gewissen Grad aus­merzen. Zur­zeit gelangen immer mehr dieser Alben im High Res Format auf den Markt. Lohnt es sich ein Album, wel­ches man schon als CD oder LP besitzt, noch­mals als HD-Ausgabe zu kaufen?  Ja und Nein!

HD-Transfer und HD-Remaster: von grau­en­voll bis hervorragend

Man muss jede Neu­aus­gabe im HD-Format kri­tisch beur­teilen. Nach­fol­gend einige Bei­spiele – gute und schlechte – die helfen das Thema zu ver­stehen. Diese Bei­spiele sollen als Orientierungs- Ent­schei­dungs­hilfe dienen.

HD Trans­fers sind Über­spei­lungen von ana­logen Bän­dern (d.h. ana­loge Auf­nahmen) in die digi­tale Domäne. Die Kon­ver­tie­rung in ein HD-Format von 88.2kHz/96kHz – 24Bit ist sinn­voll. Diese For­mate ver­fügen über genü­gend Frequenz- und Dyna­mik­um­fang um den nötigen Frei­raum für die Nach­be­ar­bei­tung zu gewähr­leisten. Das oft gehörte Argu­ment, man müsse ein ana­loges Signal mit einer mög­lichst hohen Sam­pling­fre­quenz abtasten (96kHz, 192kHz, 384kHz), damit die ana­loge Wel­len­form mög­lichst genau gespei­chert werden kann, ist falsch  (Hin­ter­grund­in­for­ma­tionen zu diesem Aspekt finden Sie hier Blog Digital Basics). Mass­ge­bende Kri­te­rien sind Dyna­mik­um­fang (dB/Bit) und Fre­quenz­um­fang (Hz/Samplingfrequenz in kHz) der Ori­gi­nal­auf­nahme und des Zielformates.

Nicht jeder HD-Transfer mit nach­fol­gender Nach­be­ar­bei­tung, sei es nun Restau­ra­tion oder Remas­te­ring, kann als gelungen bezeichnet werden. Dies hängt nicht zuletzt auch von der Qua­lität des Quell­ma­te­rials ab. Ein ana­loges Mas­ter­band ist min­des­tens die dritte Band­ge­nera­tion, denn kein Ton­meister ris­kiert es mit dem Ori­gi­nal­band zu arbeiten. Mit jeder Band­kopie gehen 3dB Dyna­mik­um­fang ver­loren, nehmen Ver­zer­rungs­kom­po­nenten zu. Ebenso unter­scheidet sich eine Auf­nahme aus den späten 50er und frühen 60er Jahren erheb­lich von dem was und wie im Jahr­zehnt vor und nach der Ein­füh­rung der CD in den Auf­nah­me­stu­dios pro­du­ziert wurde. Paul Simons Alben eignen sich sehr gut um diesen Epo­chen­aspekt zu beleuchten.

A) Sounds of Silence

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Das Folk-Rock Album „Sounds of Silence“ von Simon und Gar­funkel erschein 1966. Es ist als SD (Stan­dard Defi­ni­tion) und HD Ver­sion bei diversen Anbie­tern erhält­lich. Hier die Spek­tral­ana­lyse der SD Ver­sion des Titels „April Come She Will“:

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Bild 1: Der Track 9 „April Come She Will“ ist ein ruhiger Titel mit akus­ti­scher Gitarre und Gesang (CD Release von 1992). Das Fre­quenz­spek­trum der ana­logen Auf­nahme reicht knapp über 20kHz. Ober­halb von 18kHz werden die schwa­chen Signal­an­teile zuneh­mend von Band­rau­schen überdeckt.

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Bild 2: Track 9 „April Come She Will“ Fre­quenz­spek­trum der HD-Version von 2014 (24/96). Das Rau­schen endet abrupt bei 22kHz. Die HD Ver­sion ist offen­sicht­lich nur eine CD in einer grös­seren Ver­pa­ckung. Ober­halb von 22kHz ist nichts! Nur Nullen auf der Festplatte.

Klingt nun die HD Ver­sion trotzdem besser – oder nur anders? Ja, es klingt anders, aber nur weil der Pegel der HD Ver­sion gegen­über der SD Ver­sion um knapp 3 dB lauter ist. Zudem ist die Dynamik kom­pri­miert SD = DR12, HD = DR10. Kor­ri­giert man den SD Pegel um 3 dB bei der Wie­der­gabe schmelzen die Unter­schiede dahin.

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Bilder 3 und 4: SD oben, HD unten.

Die Dyna­mik­kom­pres­sion und die Pegelan­he­bung der HD Ver­sion ist auch in Adobe Audi­tion deut­lich an der Hüll­kurve erkennbar:

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Bild 5: Die Hüll­kurve von „April Come She Will“ stellt die Mes­sungen der Bilder 3 und 4 gra­fisch dar.

Fazit: die HD Ver­sion von „Sounds of Silence“ gehört in die Kate­gorie HD Bluff – es wird mit plumpen Tricks gear­beitet. Die Klang­un­ter­schiede stammen von ein­fa­chen Signal­ma­ni­pu­la­tionen. Die Quelle für die HD Ver­sion ist offen­sicht­lich ein digi­taler Master und nicht das ana­loge Mas­ter­band aus dem Jahre 1966. Ver­mut­lich ist dieses nicht mehr spielbar oder war nicht ver­fügbar. Die Dyna­mik­kom­pres­sion lässt das Musik­stück druck­voller erscheinen, raubt ihm aber feine Details. Der Haupt­grund von High Defi­ni­tion bei Ton und Bild ist die Wie­der­gabe von feinen Details. Inso­fern ist die HD Ver­sion von „Sounds of Silence“ eine Farce: diese Ver­sion hat weniger Details. Bei HD Tracks ist das Album für USD 24.98 aus­schliess­lich im „audio­philen 192kHz Format“ erhält­lich. Die SD Ver­sion gibt’s bei Qobuz zum halben Preis. Wenn wir aber wissen, dass ober­halb von 22kHz nichts vor­handen ist, ist der Mehr­preis für die HD Ver­sion nicht gerecht­fer­tigt, ein Neu­kauf sinnlos.

B) Grace­land

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Paul Simons Album Grace­land stammt aus dem Jahre 1986. Es ver­eint west­liche Folk- und Pop­musik mit afri­ka­ni­scher Musik und wurde zusammen mit Musi­kern aus Afrika auf­ge­nommen. Das erfolg­reiche Album wurde welt­weit über 14 Mil­lionen ver­kauft. Das mit zwei Grammy-Awards aus­ge­zeich­nete Werk ist das erfolg­reichste Solo­album von Paul Simon.

Als Ver­gleich zwi­schen der SD und HD Ver­sion (24/96) des Albums wurde die CD aus dem Jahr der Ver­öf­fent­li­chung und die HD Ver­sion der 25th Anni­ver­sary Edi­tion“ ver­wendet. Vorab: Hände weg von jeder Ver­sion dieser Jubi­lä­ums­aus­gabe. Ich habe die Alben für die High Res Blog Serie mehr oder weniger zufällig aus­ge­wählt. Die tech­ni­sche Ana­lyse erfolgte nach der Aus­wahl. Die Resul­tate sind somit nicht gesucht, son­dern sind das Abbild einer zufäl­ligen Stichprobe.

Die pseudo HD Ver­sion ist satte 8.63 dB lauter als die SD Ver­sion (CD) aus dem Jahr 1986. Die extreme Dyna­mik­kom­pres­sion ver­fälscht das Musik­si­gnal massiv. Der DR Wert sinkt von her­vor­ra­genden DR16 auf DR8 runter. Im Wei­teren war eine 16Bit/44.1kHz Ver­sion der Aus­gangs­punkt für die Nach­be­ar­bei­tung. Die Spek­tral­ana­lyse verdeutlicht:

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Bild 6: Track „ Dia­monds on the Soles of Her Shoes”, Album “Grace­land “25th Anni­ver­sary Edi­tion”. Die klare Abriss­kante bei 22.05 kHz belegt die CD-Herkunft. Die Ultra­schall­an­teile ober­halb von 22kHz wurden dazu­ge­rechnet, sind künst­lich erzeugt (24/96 HD Remaster von 2012).

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Bild 7: Die mas­sive Dyna­mik­kom­pres­sion ist ein Tribut an die Anfor­de­rungen des Mas­sen­marktes und bedeutet eine mas­sive Klang­ver­schlech­te­rung. Das Ganze dann noch in einen HD Con­tainer zu packen ist sinnlos. Der „HD-Remaster“ nutzt nicht einmal den Dyna­mik­um­fang einer Com­pact Cassette.

Fazit: Ein kaputt bear­bei­tetes Album, das als teures Qua­li­täts­pro­dukt ange­priesen wird. Punkt – mehr gibt es dazu nicht zu sagen. (Mehr Infos zum Thema Dyna­mik­kom­pres­sion finden Sie im Blog „Ver­stüm­melte Musik: wie Dyna­mik­kom­pres­sion und Daten­re­duk­tion die Musik ver­än­dern“ Link)

C) The Rhythm of the Saints

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Das dritte Album der Paul Simon Reihe ist „The Rhythm of the Saints“ aus dem Jahr 1990, der HD-Remaster ist von 2011 (24/96). Vorab: diese Neu­auf­lage macht eher Sinn. Schauen wir uns vorweg die tech­ni­sche Ana­lyse an.

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Bild 8: Die HD Ver­sion von 2011 weist auch hier keine Fre­quenz­an­teile ober­halb von 22.05kHz auf. Somit hat die Quelle SD‑, respek­tive CD-Auflösung. Der mitt­lere Pegel der HD-Version ist 1.5 dB lauter, der Dyna­mik­um­fang DR10 (SD = DR13) ist geringer.

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Bild 9: Intro Track „Coast“ bei 15 Sekunden Spiel­zeit, Ein­satz Gitarre. Die Kanäle der HD Ver­sion (rot) sind gegen­über der SD Ver­sion von 1990 (grün) inver­tiert, was aber kein wirk­li­ches Pro­blem ist. Gut erkennbar ist die Pegelan­he­bung bei der HD Ver­sion (Dif­fe­renz Spit­zen­pegel SD = ‑16dB, HD = ‑13.5dB).

„The Rhythm of the Saints“ kann zu den bes­seren Remas­ters gezählt werden. Die Bear­bei­tung hebt ein­zelne Klang­spek­tren und Instru­mente hervor. Die Gitar­ren­saiten klingen deut­li­cher, haben mehr Prä­gnanz. Die hohen Per­kus­si­ons­stimmen neigen in der SD Ver­sion im Gesamt­klang unter­zu­gehen. Die HD Ver­sion bring hier eine bes­sere Klang­ba­lance trotz gerin­gerer Gesamt­dy­namik. Nur High Defi­ni­tion Audio ist die HD Ver­sion dieses Albums nicht. Als Remas­te­ring Arbeits­platt­form bietet sich das 24Bit/96 kHz Format an. Der grös­sere Arbeits­raum ermög­licht die Arbeiten genau und mit einer grossen Sicher­heits­marge aus­zu­führen. Auch die anschlies­sende Dis­tri­bu­tion in diesem Format geht in Ord­nung, denn ein gene­relles run­ter­rechnen auf 16Bit/44.1kHz kann zu Run­dungs­feh­lern und Quan­ti­sie­rungs­ver­zer­rungen führen, wenn kein Dither hin­zu­ge­fügt wird. Die Frage bleibt, ob es dann gerecht­fer­tigt ist eine Preis­dif­fe­renz zwi­schen der SD und HD Ver­sion des Remas­ters zu machen. Ich meine nicht. Spitz­findig gesagt,  müsste die SD Ver­sion teurer sein, denn diese Ver­sion erfor­dert einen Arbeits­schritt mehr.

Fazit: Zusam­men­fas­send für die ganze Kate­go­ries dieser HD-Remasters gilt: die Klang­un­ter­schiede stammen nicht von der höheren Auf­lö­sung des HD For­mates, son­dern durch Ver­än­de­rung der inneren Struktur der ori­gi­nalen SD Auf­nahmen. Ob das Resultat über­zeugt, respek­tive ein Klang­vor­teil bringt, hängt von der Arbeits­qua­lität des Ton­in­ge­nieurs ab und den kom­mer­zi­ellen Vor­stel­lungen des Produzenten.

Noch älter! Wird’s dann besser oder noch schlechter?

Als letzten Punkt für heute schauen wir uns eine der mar­kan­testen Alben der jün­geren Musik­ge­schichte an: Harry Bela­fontes „Bela­fonte Live at Car­negie Hall“. Die Auf­nahme von Bob Simpson ent­stand anläss­lich von zwei Benefiz Kon­zerten im April 1959 live in der Car­negie Hall, New York. Das Dop­pel­album ist ein Dau­er­brenner über all die Jahr­zehnte des Ton­trä­ger­ver­kaufs. Es über­rascht daher nicht, dass auch hier eine HD-Version auf dem Markt erhält­lich ist.

D) Bela­fonte Live at Car­nagie Hall

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Wir betrachten zwei Stücke aus diesem Dop­pel­album: „Sylvie“ und „Cotton Fileds“. Die in diesen Artikel ver­wen­dete SD Ver­sion ist die CD Ver­öf­fent­li­chung von 1993.

Dieser HD Transfer (24/96) ist gelungen. Offen­sicht­lich wurde nicht ein­fach der CD Master von 1993 bear­beitet, wie wir dies bei Paul Simons Alben gesehen haben, son­dern auf ein ana­loges Master zurück­ge­griffen. Auf wel­ches liess sich nicht eru­ieren. Betrachten wir die  Fre­quenz­spek­tren der HD Ausgabe:

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Bild 10: „Sylvie“ Das Fre­quenz­spek­trum reicht deut­lich bis 25kHz, danach sind die noch schwa­chen Fre­quenz­an­teile nahezu voll­ständig von Rau­schen überdeckt.

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Bild 11: „Cotton Fields“ Das Fre­quenz­spek­trum reicht eben­falls bis 25kHz, danach sind die noch schwa­chen Fre­quenz­an­teile nahezu voll­ständig von Rau­schen überdeckt.

Die Spek­tral­ana­lyse lässt darauf schliessen, dass die HD Ver­sion von einem ana­logen Mas­ter­band stammt. Da es nicht sicher ist, ob das Band von 1959 noch spielbar ist, könnte der Transfer auch von einer spä­teren Siche­rungs­kopie abstammen.

Die HD Ver­sion bringt Bela­fontes Stimme bei beiden Stü­cken feiner, fokus­sierter und weniger rau. Der Raum um die Musiker ist ruhiger, leicht tiefer wahr­nehmbar. Piano und Schlag­zeug bei Cotton Fileds wirken befreiter, das Ganze fliesst (schmiert) weniger inein­ander. Grund­sätz­lich ist „Bela­fonte Live at Car­negie Hall“ eine bemer­kens­werte Auf­nahme. Die oft bei ana­logen Auf­nahmen ver­schwom­menen, inein­ander flies­senden Stimmen und Instru­mente sind hier deut­lich fokus­siert. Die HD Ver­sion stei­gert diese Details.

Fazit: Dieser HD-Transfer ist wirk­lich gelungen und emp­feh­lens­wert, selbst wenn man die Auf­nahme schon besitzt. Die Pegel­dif­fe­renz zur SD Ver­sion beträgt 0.5 dB die DR Werte sind nahezu iden­tisch. Als HD Transfer kann man die behut­same Über­spie­lung von ana­logen Mas­ter­bän­dern bezeichnen. Mar­kant ist, dass auf mas­sive Signal Mani­pu­la­tionen ver­zichtet wird. Es geht ums restau­rieren. Man ver­sucht Unzu­läng­lich­keiten der dama­ligen Technik, wie Rau­schen zu ent­fernen. Aber immer nur soweit, dass nicht mehr ver­loren geht als gewonnen wird. So scheint auch diese Bela­fonte Neu­ver­öf­fent­li­chung leicht ent­rauscht worden zu sein. Es geht eben­falls darum Sünden frü­herer Remas­ters zu ver­meiden. Die Rau­ig­keit der Bela­fonte Stimme der 1993 CD Aus­gabe kommt sehr wahr­schein­lich von einer Pegelan­he­bung im Bereich zwi­schen 1kHz und 3kHz, die in einigen Tracks vor­handen ist.

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Bild 12: Track „Sylvie“, CD 1993. Pegelan­he­bung im Bereich zwi­schen 1kHz und 3kHz (Equa­lizer) ist deut­lich erkennbar, vor allem beim Klat­schen am Schluss des Stückes.

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Bild 13: Track „Sylvie“, HD Ver­sion. Pegelan­he­bung im Bereich zwi­schen 1kHz und 3kHz (Equa­lizer) ist nicht sichbar. Die Schall­energie baut sich gleich­mässig zu hohen Fre­quenzen hin ab.

HD Remaster, HD Transfer sind häufig ange­wen­dete Tech­niken um bestehende Auf­nahmen aus der rein ana­logen Epoche aber auch digi­tale Auf­nahmen aus den 80er und 90er Jahren Nach­zu­be­ar­beiten (Remas­te­ring). Ob die HD-Version besser oder schlechter klingt als die Erst­aus­gabe oder eine frü­here Nach­be­ar­bei­tung ist bei jedem Album kri­tisch zu prüfen. Tipps und Aus­wahl­kri­te­rien später.

HD Rea­lität 2016. High Res Audio: Dich­tung und Wahr­heit (Teil 3)

Wie sieht die HD Rea­lität nun aus? Im letzten Teil der Tri­logie geht es um Auf­nahmen aus den letzten Jahren. All diese Auf­nahmen hätten als native, echte High Reso­lu­tion Ein­spie­lungen rea­li­siert werden können, da die Tech­no­logie ver­fügbar war. Sie finden eben­falls einige Tipps und Hin­weise, wie man vor dem Kauf echte von unechten HD Auf­nahmen unter­scheiden kann – es zumin­dest ver­su­chen kann. Eine 100% sichere Eva­lua­tion ist vor dem Kauf nicht mög­lich. Es gibt aber durchaus Anhalts­punkte an denen man eine Auf­nahme beur­teilen kann. Und im Zwei­fels­fall und bei zu grosser Preis­dif­fe­renz zwi­schen HD- und SD-Version, sollte man die Letz­tere wählen.

Pop, Jazz, Klassik – ein unein­heit­li­ches Bild

Als Ein­stieg die mus­ter­gül­tige HD Live Auf­nahme von Beet­ho­vens erster Sym­phonie aus der Re-Sound Beet­hoven Serie. Die Live Auf­nahme ent­stand in Wien im Dezember 2014 am Ort der Urauf­füh­rung der 1. Sym­phonie, die am 2. April 1800  im Palais Nie­der­ös­ter­reich (Land­haus­saal) statt­fand. Dieses Album ist in vie­lerlei Hin­sicht exem­pla­risch für akku­rate Klangre­pro­duk­tion – in tech­ni­scher und künst­le­ri­scher Hinsicht.

a) Die Aus­gangs­lage: Das Werk im Kon­text der Ent­ste­hung. Hier Aus­züge aus dem Booklet zum Album.

„Musik im Klang ihrer Zeit wollen wir Ihnen mit unseren Inter­pre­ta­tionen bieten: den Mög­lich­keiten des his­to­ri­schen Instru­men­ta­riums wollen wir Klang und Aura jener Kon­zer­träume hin­zu­fügen, in denen der Kom­po­nist selbst seine Werke diri­giert und erlebt hat“.

b) Die Auf­nahme: das Ein­fangen einer Atmosphäre.

„Unser Pro­du­zent Ste­phan Reh ist bemüht, die klang­liche Beson­der­heit jedes ein­zelnen Raumes wie­der­zu­geben: die weiche Fülle des baro­cken Land­haus­saales, die kraft­volle Inti­mität des Eroica-Saales im Palais Lob­ko­witz, die Trans­pa­renz des Alten Uni­ver­si­täts­saals, die tro­ckene Klar­heit des Thea­ters in der Josef­stadt und die klang­liche Größe des Redou­ten­saales, des damals größten ver­füg­baren Kon­zert­raums Wiens“.

 c) Die Pro­duk­tion: Als Live Mit­schnitt stellt die Auf­nahme eine inte­grale Moment­auf­nahme dar. Alle Musiker sind gleich­zeitig da und spielen das Werk ohne Unter­bre­chung durch – abge­sehen von den Pausen zwi­schen den Sätzen.

Das Re-Sound Beet­hoven Album trans­por­tiert somit ein Klang­er­eignis in den Wie­der­ga­be­raum. Wir hören das Werk, wir hören den Auf­nah­me­raum, wir hören eine kohä­rente Ein­spie­lung. Auch der his­to­ri­sche Kon­text ist span­nend. Ein Album mit hohem Reper­toire­wert. Der Kauf lohnt sich, selbst wenn man schon mehr als eine Auf­nahme der Beet­hoven Sym­pho­nien hat. Das Album ist inter­pre­ta­to­risch und klang­lich auf hohem Niveau. Die Re-Sound Kon­zert­reihe mit Live Mit­schnitten wird 2016 und 2017 fortgeführt.

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Bild 1: Re-Sound Beet­hoven, Sym­phonie Nr. 1, 3. Satz. Das Fre­quenz­spek­trum reicht bis in den Bereich von 37 kHz/-105 dB. Eine für Klassik zu erwar­tende, natür­liche spek­trale Ener­gie­ver­tei­lung und grossem Dyna­mik­um­fang. Die Musik lebt auch vom Span­nungs­ver­hältnis zwi­schen laut und leise, an- und abschwel­lend. (Grösser = auf Bild klicken)

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Bild 2: Land­tags­saal, Palais Nie­der­ös­ter­reich. Ort der Urauf­füh­rung von Beet­ho­vens 1. Sym­phonie und Auf­nah­meort des Albums Re-Sound Beet­hoven – Sym­pho­nien Nr. 1 & 2. (Grösser = auf Bild klicken)

Was ist span­nender als ein Gegensatz?

„Adele 25“, das am 20. November 2015 erschie­nene Album der bri­ti­schen Sän­gerin Adele wurde in den USA in den ersten drei Wochen über 5 Mil­lionen Mal ver­kauft. Das Album ist exem­pla­risch für eine Pop Pro­duk­tion, die auf kom­mer­zi­ellen Höchs­ter­folg getrimmt ist. Trotzdem ist Adeles musi­ka­li­sches Schaffen her­aus­ra­gend. „Adele ist […] eines der größten Talente, die das Insel-Königreich in diesem Jahr­tau­send zu bieten hat. Sie kann fabel­haft singen und noch viel bes­sere Songs schreiben.“ Chris­toph Dal­lach: Kultur SPIEGEL. Umso bedau­er­li­cher ist was Pro­du­zent und Mas­te­ring aus diesen Auf­nahmen gemacht haben:

a) Dyna­mik­um­fang gemäss DR Skala:

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Bild 3: Adele 25 (DR5) ist gegen­über dem Album Adele 21 (DR 6) noch­mals um 1 bis 2 DR Grade pro Track geringer gemas­tert. Mas­sive Dyna­mik­kom­pres­sion: die Abkehr vom Loud­ness War ist beim Pro­du­zenten des Albums noch nicht ange­kommen. (Grösser = auf Bild klicken)

Hören die Leute denn diese Ver­zer­rungen nicht? Ist das mög­li­cher­weise gewollt – wenn ja, dann frage ich mich was diese Leute für Klang­ideale haben. Meine sind es defi­nitiv nicht. Sind es Adeles Klang­vor­stel­lungen? Hören wir, wenn wir die Disc ein­legen die Musik so „wie es der Künstler im Ton­studio gehört hat“? Natür­lich nicht, denn das ganze Album ist nur als CD erhält­lich – ist nicht im Strea­ming Abo ver­fügbar und auch als Down­load gibt’s nur die Single „Hello“. Hmm – somit ist keine HD-Version ver­fügbar. Daher auch nicht „so wie es der Kunstler..“? Lassen wir den Sar­kasmus – auch als HD-Version wäre das Album auf­nah­me­tech­nisch – aus meiner Sicht – von min­derer Qua­lität. Da würde auch ein HD Format nichts dran ändern. Im Gegen­teil, das wei­tere HD Fre­quenz­spek­trum könnte die Klang­härte und Rau­ig­keit der Auf­nahme noch deut­li­cher machen, Ver­zer­rungs­kom­po­nenten hätten mehr Raum um sich breit zu machen. Und von der Dynamik her nutzt selbst die SD-Version nur einen Bruch­teil des ver­füg­baren Dyna­mik­um­fangs von 96dB (CD / 16Bit). Da sind 24 Bit pure Nutzlosigkeit.

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Bild 4: Adele 25, Der Titel „Hello“ zeigt Adeles Krea­ti­vität in einem poe­ti­schen und abwechs­lungs­rei­chen Lied. Das Mas­te­ring macht daraus ein brül­lendes Monster, die Stimme ist ver­zerrt, die Dynamik an den inten­siven Stellen des Liedes bis zum Anschlag kom­pri­miert. Schade! (Grösser = auf Bild klicken)

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Bild 5:  Paul Simon, Album Grace­land, Titel „Dia­monds on the Soles of Her Shoes”. (siehe Bespre­chung im Blog High Res Audio: Dich­tung und Wahr­heit Teil 2). Die grüne Kurve zeigt den Signal­ver­lauf (Hüll­kurve) der CD von 1986 und die rote Kurve das Remaster von 2012 (25th Anni­ver­sary Edi­tion). Man sieht deut­lich wie durch Pegelan­he­bung der leisen Signal­teile und Limi­tie­rung der lauten Anteile die Kur­ven­form beim Remaster völlig defor­miert wurde. Das sind die Folgen der Dyna­mik­kom­pres­sion. (Die grüne Kurve wurden zu bes­seren Ver­gleich­bar­keit in der ver­ti­kalen Achse im Ver­hältnis zur roten Kurve grösser dar­ge­stellt. Wichtig in diesem Bild ist der Kur­ven­ver­lauf) (Grösser = auf Bild klicken).

b) Pro­duk­ti­ons­me­thode. Die 11 Titel des Albums wurden in 10 ver­schie­denen Stu­dios in Europa und den USA auf­ge­nommen von ebenso vielen Ton­in­ge­nieuren. Gemixt wurde in drei unter­schied­li­chen Stu­dios in Ame­rika und das Mas­te­ring wurde in den Ster­ling Sound Stu­dios in New York gemacht. Wie lässt sich so ein kohä­rentes Klang­bild erzeugen? Das Mas­te­ring Studio hat die Auf­gabe aus den ein­zelnen Ein­spie­lungen und Takes ein in sich stim­miges Album zu erzeugen. Da wird erst mal kräftig ein­ge­dampft und mani­pu­liert was die Technik her­gibt – und die kann heute eine Fülle von Werk­zeugen bieten. Es mag dann kaum erstaunen, wenn ein Auf­nah­me­team nicht das aller­letzte Quänt­chen an Klang­qua­lität sucht, da ja im Mas­te­ring sowieso noch vieles ver­än­dert und geformt werden kann und muss.

David Gil­mour – Rattle That Lock

David Gil­mour Gitar­rist, Sänger und Song­writer, bekanntes Mit­glied der bri­ti­schen Rock­gruppe Pink Floyd, hat sein neustes Album „Rattle That Lock“ am 18.9.2015 ver­öf­fent­licht. Es ist als CD und HD Down­load sowie als Vinyl LP erhält­lich. Hier die Ana­lyse von zwei Titel der 24/96 HD Version.

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Bild 6: Gil­mour Rattle That Lock. Für ein Pop Album her­vor­ra­gende DR Werte – DR13 und DR11. Mit sol­chen Werten macht eine HD Ver­sion Sinn. (Grösser = auf Bild klicken)

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Bild 7: Gil­mour Rattle That Lock, Titel “A boat Lies Wai­ting”. DR 13. Der Fre­quenz­gang ist bei 22kHz beschnitten. Auf­fal­lend ist der im mitt­leren Bereich des Tracks bei rund 18kHz limi­tierte Fre­quenz­um­fang. Gil­mour hat für diesen Titel eine 18 Jahre alte Kla­vier­se­quenz ver­wendet (auf­ge­nommen auf einem Mini-Disc Recorder). David Gil­mour in einem Video über dieses emo­tio­nell starke Musik­stück: Link: Video auf You­Tube (Grösser = auf Bild klicken)

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Bild 8: Gil­mour Rattle That Lock, Titel “Rattle That Lock”. DR11. Die höhere Ener­gie­dichte fällt auf. Der Fre­quenz­be­reich geht bis 35kHz, ‑102dB.  (Grösser = auf Bild klicken) 

Im Pop Bereich wird nicht – wie im Bei­spiel Klassik – ein Ereignis auf­ge­zeichnet und im Hör­raum zu Hause repro­du­ziert. Bei Pop (und seinen Unter­genres) ent­steht das Klang­er­eignis erst bei der Wie­der­gabe im Hör­raum. Es ist in der inte­gralen Form vorher inexis­tent. Das ist ein Aspekt dem sich eine Pop Band auch vor einem Live Kon­zert stellen muss. Oft müssen die Musik­titel für die Live Per­for­mance neu arran­giert werden, da sie in der Alb­um­form live nicht spielbar sind.

Fazit: Diese beiden Bei­spiele sind exem­pla­risch für die unter­schied­li­chen Pro­duk­ti­ons­me­thoden und klang­äs­the­ti­schen Ansätze im Klassik und Pop Bereich. Das Wissen über diese fun­da­men­talen Unter­schiede im Pro­duk­ti­ons­ab­lauf ist zen­tral für die Ein­schät­zung ob ein Album wirk­lich HD Kri­te­rien erfüllt oder nicht. Ebenso hat dieser Pro­duk­ti­ons­aspekt Ein­fluss auf die Zusam­men­stel­lung der Audio­kette im Wiedergaberaum.

Jazz Pro­duk­tionen pen­deln zwi­schen den beiden Extremen, sind aber meis­tens näher beim Klassik-Ansatz.

Echt HD oder echt umgepackt?

Wie lässt sich nun fest­stellen, ob das Invest­ment in eine HD-Aufnahme gerecht­fer­tigt ist? Sei es als Mehr­preis gegen­über der eben­falls ver­füg­baren SD Vari­ante (CD) oder als Neu­kauf eines Albums, wel­ches man schon als CD oder LP hat. Hier einige Kri­te­rien zur Beurteilung:

a) Pro­ve­nienz: Die Her­kunft und das Ent­ste­hungs­jahr der Ori­gi­nal­auf­nahme sind ein wich­tiges Indiz, ob es sich um eine native HD-Aufnahme han­delt. Mit der Ein­füh­rung der SACD um 2000 stand erst­mals ein Spei­cher­me­dium für eine höhere Auf­lö­sung als der Red Book CD Stan­dard zur Ver­fü­gung. Und mit der Sonoma Work­sta­tion das Pro­duk­ti­ons­mittel dazu.

Grob können wir drei Phasen herleiten:

I) Ana­loge Periode vor 1983
II) CD Periode ab 1983 bis heute
III) HD Periode ab 2000

Es ist klar, das sind grobe Unter­schei­dungs­merk­male. Schon vor 1983 gab es digi­tale Auf­zeich­nungs­ge­räte (z.B. Sony PCM F1), welche die Infor­ma­tionen auf Video­band spei­cherten. Und auch heute ist es noch mög­lich – und es wird auch gemacht – mit ana­logen Auf­zeich­nungs­ge­räten zu arbeiten. Doch dies sind Aus­nahmen von der Regel.

Kate­gorie

Merk­male

Pro­ve­nienz / Zeitraum

Echte, native HD Aufnahmen

Durch­gängig min­des­tens im 88.2/96kHz – 24 Bit Format auf­ge­nommen und produziert

Neue Auf­nahmen, ab ca. 2000, domi­nant PCM 24/96, auch DSD

HD-Minus

a) Auf­nahmen im HD-Format mit ana­loger Nach­be­ar­bei­tungb) Ana­loge Auf­nahme und Mischung, Zwi­schen­spei­che­rung auf Tape, digi­ta­li­siert ab Stufe Mastering

Neue Auf­nahmen, die ein „Vintage-Klangbild“ aus der rein ana­logen Epoche anstreben

Sub­ka­te­go­rien (erfüllen die strengen HD Kri­te­rien nicht):

HD-Transfer

Mini­male Nach­be­ar­bei­tung in einem HD-Format

Ana­loge Tape-Aufnahmen oder Auf­nahmen im 16/44.1 Format

HD-Remaster

Ana­loge Auf­nahme und Mischung, Spei­cher­me­dium Ton­band. Inten­sive Nach­be­ar­bei­tung (Remaster) im HD-Format

Auf­nahmen deut­lich vor 1983, aus einem rein ana­logen Umfeld. Werden oft als Studio-Master angepriesen

HD-Bluff

Auf­nahmen im 16/44.1 Format werden in einem HD-Container (24/96) dis­tri­bu­iert, ohne Nachbearbeitung

Meist CD-Einspielungen ab 1983

b) Genre: Bei Klassik wird seit län­gerem mit hoch­auf­lö­senden HD For­maten gear­beitet. Hier finden sich viele native HD Ein­spie­lungen. Auch hier gilt Auf­nahmen nach 2000 können durch­gängig im HD Format pro­du­ziert sein. Ältere Auf­nahmen gehören in die Kate­gorie HD-Transfer.

Auf Grund der anders gear­teten Pro­duk­ti­ons­technik im Pop Bereich arbeiten noch heute viele Stu­dios mit  ana­logen Geräten und älterer Stu­dio­technik. Man trifft Zwi­schen­for­mate wie 24/48 an. Es erstaunt daher kaum, dass vor allem ältere, aus der rein ana­logen Epoche stam­mende Auf­nahmen von Top Künst­lern als HD Transfer oder HD Remaster noch­mals ver­öf­fent­licht werden. Hier liest man dann die Wer­be­bot­schaft „ so wie es der Künstler im Studio gehört hat“.

c) Infor­ma­tionen der Down­load­por­tale: Hier gilt es zu unter­scheiden zwi­schen der Angabe des Con­tai­ner­formates (z.B. 24/96) und des Auf­nah­me­for­mates (z.B. 24/88.2) Das Con­tai­ner­format defi­niert die Auf­lö­sung, das Gefäss indem der Inhalt gelie­fert wird. Ein Gefäss kann zu gross, zu klein oder pas­send für den zu trans­por­tie­renden Inhalt sein. Uns inter­es­siert die Auf­lö­sung der Auf­nahme. Por­tale wie eClas­sical oder Channel Classic lie­fern detail­lierte Infor­ma­tionen zur Auf­nah­me­technik. Infor­ma­tionen finden sich auch in den Album Book­lets, die bei einigen Anbie­tern vor dem Down­load ein­sehbar sind. Bei Qobuz hat man erst nach dem Down­load Zugriff auf das Booklet.

Heute eher selten, aber zu Beginn der CD Epoche fand man ver­breitet ein Buch­sta­ben­trio als Kenn­zeich­nung des Pro­duk­ti­ons­pro­zesses: AAD, ADD, DDD. Sie erin­nern sich. Aus heu­tiger Sicht wäre das zu wenig aus­sa­ge­kräftig, aber immerhin lassen sich HD-Transfers von ana­logen Quellen erkennen.

bis-booklet

Bild 9: Vor­bild­lich – das Schwe­di­sche Label BIS bietet unter www.eclassical.com her­vor­ra­gende Klassik Auf­nahmen an. Vor dem Down­load kann man im Booklet blät­tern. Auf der hin­tersten Seite stehen aus­führ­liche Infor­ma­tion zur Auf­nah­me­technik und dem nativen Auf­nah­me­format. (Grösser = auf Bild klicken)

d) Hör­probe: Vor dem Down­load sollte in jedes Album rein­ge­hört werden – egal ob SD oder HD. Nur, in der Regel stehen die 30 bis 60 Sekunden Aus­schnitte nur daten­re­du­ziert im MP3 Format zur Ver­fü­gung. Bei 320kBs lässt sich die effek­tive End­qua­lität nicht erfassen, aber den­noch hört man einiges raus. 320kBs ist recht nah an der CD Qua­lität. Tona­lität, Raum­in­for­ma­tionen, Pegel­dif­fe­renzen und natür­lich die Inter­pre­ta­tion lassen sich eini­ger­massen aus­sa­ge­kräftig beur­teilen. Mit einem guten Kopf­hörer sind auch Pha­sen­fehler auf Grund feh­lender Lauf­zeit­kom­pen­sa­tion hörbar.

e) Label: Vor allem die klei­neren Labels stehen oft­mals für kon­stante und hohe Qua­lität (z.B. BIS, Channel Clas­sics, Stock­fisch, ECM…). Kennt man ein Label aus Erfah­rung, ist even­tuell sogar das gleiche Auf­nah­me­team oder Studio mehr­heit­lich mit der Pro­duk­tion betraut, darf man durchaus einen Blind­flug wagen. Ande­rer­seits, weiss man mit der Zeit wo Vor­sicht geboten ist.

f) Infor­ma­tionen aus wei­teren Quellen: Alb­um­re­zen­sionen in Fach­zeit­schriften können eben­falls wert­volle Infor­ma­tionen über ein Album oder Neu­ver­öf­fent­li­chungen lie­fern. Aller­dings nicht in Bezug auf den Ent­scheid ob die HD Ver­sion loh­nens­wert ist. Die Web­site Dynamic Range Data­base http://dr.loudness-war.info/ stellt eine Liste mit über 88‘000 Alben zu Ver­fü­gung mit Angaben über den Dyna­mik­um­fang eines Albums.

Das Thema HD Audio wird auch in Zukunft span­nend bleiben. Durch den Weg­fall eines starren Duos von phy­si­schem Ton­träger und pas­senden Abspiel­gerät können sich eine Viel­zahl unter­schied­li­cher For­mate am Markt tum­meln. Nicht alles was machbar ist und ange­boten wird ist sinn­voll. Wir bleiben dran.